■p["och streiken die italienischen Mediziner und i Krankenwärter. Noch gibt es öffentliche Krankenhäuser in Italien, die wegen der Saumseligkeit der Krankenkassen ihre Rechnungen nicht bezahlen können. So fehlt es ihnen oft "an Mitteln zum Kauf des Nötigsten. Zuweilen verhängen daher die Lebensmittelzulieferer eine Sperre. Doch was gegenwärtig Chaos und Desorganisation ist, soll morgen beispielhaft sein: Italien will sein Gesundheitswesen reformieren. Dazu gehört, daß die Krankenhäuser in die Kompetenz der neu geschaffenen Regionen übernommen werden. Dazu gehört eine verbesserte Ausbildung der Mediziner, die zwar weiterhin die teuersten in Europa bleiben, gleichzeitig jedoch fachlich ein höheres Niveau erreichen sollen. Dazu gehört ferner eine Krankenkassenreform, damit die gegen hohe Beiträge Versicherten auch eine angemessene und sofortige finanzielle Hilfe erhalten können.

Etwas Besonderes denken sich Italiens ReformStrategen für die Versorgung der Kranken mit Arzneimitteln aus. Bisher hat Italiens pharmazeutische Industrie nicht gerade viel Geld in ihre Forschung gesteckt. Im Gegenteil: Da das Land — als einziges der Welt neben Nordkorea — keinen Schutz gegen die Nachproduktion von Arzneimitteln kennt, nutzen vor allem kleine und mittlere Hersteller die Erkenntnisse anderer, um sie rasch in klingende Münze für sich selbst umzuwandeln. Auch das soll nun anders werden: Ein Gesetzentwurf in Rom sieht erstmals einen Schutz wenigstens für das Herstellungsverfahren vor.

Da indes die Arzneimittelproduktion ohne eigene Forschung in den letzten Jahren immer weniger einbrachte, steht die italienische Pharmaindustrie nicht eben auf starken Beinen. Ausländer, vor allem deutsche und Schweizer Firmen, beherrschen fast drei Viertel des Marktes. Und das, obwohl italienische Hersteller Präferenzen bei der Lieferung an öffentlich rechtliche Einrichtungen genießen.

Diese Vorzüge müssen sie allerdings seit vergangenem Herbst gesondert honorieren. Das Konjunkturförderungsgesetz der Regierung Colombo sieht vor, daß die Arzneimittelhersteller bei der Lieferung für die staatliche Krankenkasse ein um 7 5 Prozent erhöhtes Sonderskonto einräumen müssen.

Italiens Gewerkschaften forderten inzwischen eine entsprechende Belastung für die ausländischen Arzneimittelunternehmen. Wenn es nach ihren Wünschen ginge, könnte sogleich verstaatlicht werden. Die Regierung hofft indes, mit einigen Manövern auf eine weniger aufsehenerregende Weise das gleiche Ziel zu erreichen. Die Staatsholding ENI (Ente Nazionale Indrocarburi) ist beim größten italienischen Chemiekonzern Montedison mit 20 Prozent Beteiligung der stärkste und für die Konzernpolitik bestimmende Aktionär Über diese Beteiligung hat sie auch Einfluß auf die Montedison Tochter Farmitalia. Dieser Arzneimittelhersteller gehört zu 51 Prozent Montedison und zu 49 Prozent der französischen Rh6ne Poulenc. Farmitalia soll nun Kern eines staatlichen Arzneimittelkonzerns werden.

Als eine Delegation des US Arzneimittelherstellers Pfizer in Mailand anrückte, wurden Italiens Staatsmanager mobil. Die Großaktionäre von Carlo Erba sind verkaufsbereit. Mit einer halben Milliarde Mark Umsatz, einer potenten Forschungsabteilung und 6800 Beschäftigten ist Carlo Erba das renommierteste italienische Arzneimittelunternehmen. Sofort bemühte sich auch Roms Staatsindustrie um den großen Fang, zumal zwei andere amerikanische Gesellschaften schon seit Jahren ihre Angeln ausgelegt haben: Die American Home Products besitzt 16 7 Prozent und die Armour Co zehn Prozent der Erba Aktien.

Als weiterer Interessent hat sich jetzt ein Konsortium von italienischen Arzneimittelherstellern gemeldet. Ihnen erscheint sowohl die staatliche wie die ausländische Konkurrenz bedenklich. Um den Absatz der Staatspillen nachhaltig zu sichern, plant Italiens Gesundheitsminister eine Vertriebs Reorganisation. Apotheken sollen danach beim Tode des Inhabers nicht mehr an Private verkauft werden dürfen, sondern an die öffentliche Hand fallen.