Von Wolfram Siebeck

Im Büro des Redakteurs für die Regionalsendung des Bayerischen Fernsehens, Dr. Georg Koller, klingelt das Haustelephon. „Schorsch? Hier ist Ferdi. Sag mal, wir haben da eine Anfrage von der Landesregierung, die will wissen, ob wir gestern in der Abendschau tatsächlich einen roten Vorhang im Hintergrund hatten.“

„Der rote Vorhang? Sicher hing der da, war doch deutlich zu sehen!“ – „Au weil Du weißt doch, wie allergisch die gegen Rot sind!“ – „Aber der Sprecher mit seinem grauen Anzug machte sich ganz gut davor...“ – „Ja, natürlich. Ich meine auch nur.“

Am nächsten Tag stürmt der Programmdirektor ins Zimmer des Redakteurs. „Hören Sie, Koller, Sie wissen, ich mach’ ja alles mit, aber ich bitte Sie doch, Ihren Linksdrall ein wenig zu kaschieren!“ – „Wovon sprechen Sie...?“ – „Na, tun Sie doch nicht so! In BILD steht heute, wir hätten schon wieder einmal die neutrale Nachrichtengebung beeinflußt, indem wir einen roten Hintergrund...“ – „Aber das war doch nur ein Vorhang, und der war wegen des grauen Anzugs von ...“ – „Mann, ich weiß genau wie Sie, daß es ästhetische Kategorien gibt; aber Sie wissen genau wie ich, daß wir hier politische Rücksichten zu nehmen haben, auch wenn es nicht immer schön aussieht!“ – „Also gut, dann nehmen wir halt einen blauen ...“

Kaum betritt Dr. Koller am anderen Morgen sein Büro, wird er zum Intendanten gerufen. Der begrüßt ihn in höchster Erregung: „Sagen Sie mal, wollen Sie uns alle arbeitslos machen? Oder warum haben Sie die CDU wieder provoziert?“

„Was habe ich...?“

„Stellen Sie sich jetzt nicht blöd! Sie wissen doch genau, daß unser Sprecher gestern abend einen roten Schlips trug!“ „Aber wir haben den Hintergrund doch extra ganz in Blau gehalten, da mußte als Kontrast...“