Ein junger Personalberater will für frischen Wind am Arbeitsmarkt sorgen. Peter Schulz, Jahrgang 1936, seit vier Jahren im Beratungsgeschäft, ist ausgezogen, um die Wahl des Arbeitsplatzes zu erleichtern. Denn aus seinen bisherigen Erfahrungen mit Stellenanzeigen zieht er eine nüchterne Bilanz: „Bewerber tappen im Dunkeln – zum Nachteil der Unternehmer.“

Um den Zufall bei der Stellensuche auszuschalten, wollen Schulz und seine Mitarbeiter in einigen Monaten einen überregionalen „Firmenspiegel“ aus der Taufe heben. Dieses Nachschlagewerk soll zuverlässig Auskunft über deutsche Unternehmen geben. Schlagworte und „werbliches Bla-bla“ will Schulz nicht dulden. Das Firmenporträt wird normiert: Wer bestimmte charakteristische Daten seines Betriebs nicht angeben will, findet keine Aufnahme.

Wenn Schulz’ Rechnung aufgeht, soll die Fibel zur Institution werden. Daß eine vergleichende Information unerläßlich ist, hält der Vater der Idee für längst erwiesen. Denn die Gestaltung der Stellenanzeigen beruht zu sehr auf Schlagworten und ist zu knapp, um zuverlässig Auskunft über den neuen Arbeitgeber zu geben.

Modern eingestellte Unternehmer würden gerne etwas über sich und ihre Personalpolitik sagen, davon ist Schulz überzeugt – auch wenn die Information über die eigenen Vorzüge die Unternehmenskasse immerhin 1900 Mark kostet (so hoch ist der Preis für die Aufnahme in das Nachschlagewerk).

Um den Verkaufserfolg der Entscheidungshilfe in Buchformat ist den Initiatoren nicht bange. Die ersten 20 000 Exemplare, mit einem Werbeaufwand von 200 000 Mark ab kommenden Herbst unters Volk gebracht, sollen nur der Anfang sein. Bei Erfolg ist ein Nachdruck, von weiteren 50 000 Fibeln schon angekündigt.

Möglichst viele Unternehmen zwischen 1500 und 10 000 Beschäftigten sollen in die Fibel aufgenommen werden. Je mehr, desto besser. Denn hierin liegt eines der Risiken des Unternehmens: Käufer werden sich nur dann finden, wenn sie ziemlich sicher sind, ihre Firma im Handbuch zu finden.

Vor allem wird Peter Schulz aber gut daran tun, auf die Seriosität seiner Bewerberfibel zu achten. Denn mit einer neuen Art von Public Relations. allein ist der Undurchsichtigkeit des Arbeitsmarktes nicht beizukommen. Den Käufern, die voraussichtlich etwa zehn Mark für den Firmen-Almanach auf den Tisch legen müssen, wäre mit einer lückenhaften und auf Eigenwerbung ausgerichteten Darstellung schon gar nicht gedient. Hierzu würde die Lektüre der Stellenanzeigen vollauf genügen. Klaus-Peter Schmid