Die diplomatischen Bemühungen um eine friedliche Beilegung des Nahost-Konflikts sind vorerst gescheitert. Früher als angekündigt flog der schwedische UN-Vermittler Jarring wieder nach Moskau zurück, wo er sein Land als Botschafter vertritt. Am Montag traf er überraschend mit dem ägyptischen Außenminister Riad in Paris zusammen. Riad eröffnete am Dienstag in der französischen Hauptstadt eine Konferenz der ägyptischen Botschafter in Westeuropa, in den USA und bei den Vereinten Nationen.

Neue Lösungsmöglichkeiten wurden nicht bekannt. In einer Geheimsitzung unterrichtete der amerikanische Außenminister Rogers den Senat über Washingtons Nahost-Pläne. Die USA wollen keinen Druck auf Israel ausüben, verwerfen aber auch die Kairoer Forderung: erst Rückzug, dann Vertrag. Zu Wochenanfang wurde bekannt, daß die beteiligten Staaten über eine Öffnung des Suez-Kanals sprechen, um den Verhandlungsfaden nicht abreißen zu lassen.

Das Scheitern der Jarring-Mission hat den zum Krieg entschlossenen Palästinensern wieder Auftrieb verliehen. Der Vorsitzende der Palästinensischen Befreiungsorganisation, Arafat, kündigte Mitte letzter Woche an, 1971 werde ein Schicksalsjahr für die ganze „arabische Nation“. Für eine kriegerische Lösung haben sich in der letzten Woche auch Algerien, Syrien und Libyen ausgesprochen.

Am Wochenende brachen in Jordanien erneut Kämpfe zwischen Regierungstruppen und Freischärlern aus. Amman fühlt sich offenbar stark genug, um den Waffenstillstand zu brechen, der nach dem Bürgerkrieg im September 1970 ausgehandelt worden war.