Ich begreif’ gar nicht“, überlegte noch vor drei Jahren ein österreichischer Bezirkshauptmann, „daß auf unseren Dörfern nicht viel mehr Reiterurlaub angeboten wird. Die meisten Bauern haben doch noch Pferde, teilweise wunderschöne Tiere. Da muß doch was getan werden.“

Heute bietet Kärnten allein 16 Möglichkeiten. Ferien auf Pferderücken zu verbringen, und in ganz Österreich, vom Burgenland bis Vorarlberg, gibt es 152mal die Gelegenheit dazu. Ein kleines Büchlein „Pferdesport in Österreich“, herausgegeben von der österreichischen Fremdenverkehrswerbung in Wien und in allen österreichischen Fremdenverkehrsstellen erhältlich, gibt einen ausgezeichneten Überblick.

Zumindest in seiner dritten Auflage. In der ersten bot es auch einige Mißverständnisse an. Beispiel: die Dressur- und Springreitschule Laxenburg. „Unterricht bis zur Turnierreife“ war ausgeschrieben und ein Abonnement für Gäste. Als ich nach Laxenburg kam, fand ich einen Stall, so schön und sauber, daß ein türkischer Sultan. keine Bedenken gehabt hätte, Nachkommen der Lieblingsstute Mohammeds dort einzustellen. Die Pferde in den Boxen sahen prächtig aus, der Reitlehrer war ein alter ungarischer k. u. k. Rittmeister. Aber – die Laxenburger denken gar nicht daran; auf ihren schönen Pferden fremde Urlauber reiten zu lassen. Ausbildung bis zur Turnierreife, Stundenabonnements und alle anderen guten Dinge sind nur für Klubmitglieder.

Der Besuch einer Vorführung der Spanischen Reitschule in der Wiener Hofburg entschädigte mich damals für die Enttäuschung. Diese wohl größte Schauveranstaltung des Reitsports in der von Fischer von Erlach 1735 erbauten riesigen Reithalle ist schon für diejenigen ein Erlebnis, die von Pferden und Reiten nur etwas aus ihrem Schullesebuch kennen, für jeden aber, der selber einmal nur Wendungen auf der Vor- oder Rückhand versucht hat, ist die Reitkunst, wie sie da zelebriert wird, faszinierend.

Nicht weit von Wien liegt Breitenfurth. In der dortigen Reitschule von Emil Krischke fehlte zwar im vorigen Jahr noch eine Reithalle, aber auf den kräftigen Warmblütern ritten die hübschesten Mädchen, die sich je in einer Reitschule eingeschrieben haben. Der Reitunterricht allerdings ist mit rund zwölf Mark pro Stunde relativ teuer (nicht nur nach österreichischen Begriffen). Anders in Gars am Kamp (in der Wachau), wo die Reitstunden je nach Vereinbarung zwischen fünf und acht Mark kosten und wo zur Not – „Wenn es Schnürl regnet“, sagte die charmante junge Hausherrin – auch in einer kleinen Scheune geritten werden kann. Ob nun aber Breitenfurth oder Gars am Kamp, diese Reitschulen haben, wie die meisten im Lande, weniger als zehn Pferde.

Anders dagegen in Wallsee an der Donau, wo beim Schloß Seiner Kaiserlichen Hoheit Erzherzog Theodor Salvator die noch aus Franz Josephs Zeiten stammende festgemauerte große Reithalle steht. Da traben bis zu 17 Pferde herum. Zehn gehören dem örtlichen Reitverein, sieben der Reitlehrerin Gertrude Fux. Alle zusammen stehen tagsüber auch den Urlaubern zur Verfügung, die für Reitstunden und Ausritte zwischen acht und zehn Mark bezahlen und in acht bis vierzehn Tagen viel lernen.

Wirklich gute Kurse werden auch in Ampfelwang abgehalten, das im Hausruckwald zwischen Salzburg und Linz liegt. Die Besonderheit des Hausherrn Josef Mayr ist: Er veranstaltet Wochenkurse für Anfänger, für Fortgeschrittene, für Dressurreiten der Klasse A, der Klasse L und für Springreiten. So ein Kurs kostet dann einschließlich Vollpension und 15 Reitstunden in der Woche zum Beispiel für „Einführung in den Reitsport“ 150 Mark, für Dressurreiten der Klasse A 186 Mark und für alle ähnlichen Kurse zwischen 150 und 207 Mark. Der Erfolg dieser Pauschalarrangements: Josef Mayr hat heute fast 50 Pferde, darunter einige Ponys für die Reiterkinder, er hat zwei Reithallen und eine kleine Ponyreithalle, und er bietet – neben dem Erholungsreiten – konzentrierte Ausbildung mit zwei bis drei sehr guten Reitlehrern.