Von E. Schmidt di Simoni

E. Schmidt di Simoni war vor 25 Jahren einer der vier Lizenzträger der ZEIT.

Den meisten Alten unserer Wohlstandsgeneration geht es dreckig, entweder finanziell oder familiär oder psychisch oder wie auch immer. Wo man hinsieht, schließt sich ein Dilemma an das andere an, und das nach allen Seiten.

Gut geht es den Alten eigentlich nur im Süden der USA. In Gebieten mit ewigem Schönwetter gibt es bereits zahlreiche Altendörfer. Glänzende Lösung! Die unverheirateten alten Damen kümmern sich um alleinstehende alte Herren. Cafés und Kegelklubs und Schwimmbäder in Hallen und im Freien, Fernsehräume, Vorträge, gemeinsame Ausflüge, billige Hotels für die Aufnahme von Besuchern, Versorgung mit Ärzten und Pflegepersonal, Banken und Sparkassen, Omnibus- und Zugverbindungen. Insgesamt eine glückliche Lösung.

Doch wie sieht es hier in Deutschland aus, im Land des klassischen Humanismus? Das „Alter“ beginnt früh. Schon gesunde, tüchtige und tatkräftige Männer knapp über fünfzig Jahre bekommen einfach keine adäquate Stellung mehr. Hunderttausende arbeitswillige und arbeitsfähige Männer und Frauen sind Depressionen nahe, da sie sich ausgestoßen und verlassen fühlen. Sie sitzen in ihren vier Wänden und „drehen Daumen“.

Und zur gleichen Zeit geht ein Aufschrei durch die Lande, daß es hier wie dort an Hilfskräften aller Art fehle. Was ist da eigentlich los? Werden die alten, rüstigen, erfahrenen Kaufleute und Arbeiter und ehemaligen Beamten nicht unter einem ganz eigenartigen Signum einfach beiseite geschoben? Hat eine seit Jahren spürbare infantile Hetze alle älteren Menschen suspekt gemacht? Ist eigentlich gegen die Verantwortlichen einer Schülerzeitung gerichtlich vorgegangen worden, die eine „Einschläferung“ aller über Sechzigjährigen vorschlugen? Erinnert dieser Vorschlag nicht an Gedankengänge des „Tausendjährigen Reiches“? Oder kann man es noch besser definieren, wenn man fragt:

Sind unsere „Alten“ heute die „Juden“ von damals?