Im Dom wird das Chorgestühl repariert. Der Bischof sieht sich das an, als sich ein Zimmermann fürchterlich auf den Daumen haut. „Himmel, Kreuz, verdammt noch mal!“ ruft der Mann ziemlich laut. Da bleibt der Bischof neben ihm stehen und sagt: „Mein Sohn, mußt du hier so entsetzlich fluchen? Kannst du nicht wie jeder andere Christenmensch ganz schlicht und einfach ‚Scheiße‘ sagen?“

Dieser und andere Witze haben Wellen geschlagen. Erzählt wurden sie vom (katholischen) Hamburger Pastor Dr. Henry Fischer, und zwar in einer Rundfunk-Morgenandacht. In den vier Wochen, die seitdem, seit dem Rosenmontag, vergangen sind, ist der Pastor, der Witz und Karneval in den Zusammenhang auch mit christlicher Freude aus dem Glauben rückte, mit einer Fülle von Protesten eingedeckt worden:

„Solche albernen Witze und Späße könnte er sich vielleicht in einem katholischen Karnevalsverein erlauben. Aber dieses Menschen zuzumuten, die in der Morgenandacht die Stimme des Evangeliums hören möchten, ist eine Ungehörigkeit sondergleichen.“

„.. stellt alles bisher von mir Gehörte in den Schatten, ich möchte fast sagen, es grenzt an Blasphemie.“ Oder auch: „Was sind Sie nur für ein verkommener Mensch! Aus der Kirche treten wir jetzt endgültig aus.“

Nur ein Hörer brachte in seinem Protest selber noch Witz auf: „Der größte Witz ist, daß Sie Pastor geworden sind. Vielleicht läßt sich dieser Witz auch noch in dieser Woche über den Rundfunk verbreiten.“

Nun, im Hintergrund solcher Kritiken mag das immer noch weitverbreitete Mißtrauen stehen, bei der Morgenandacht handle es sich um eine Kanzelansprache für kirchliche Innenseiter. Der irreführende Titel „Morgenandacht“ kommt dem noch entgegen. Die Mehrheit der Hörer freilich hat den Versuch des Pfarrers, auf eine etwas ungewöhnliche Weise Verkündigung zu treiben, offenbar akzeptiert. Jedenfalls überwog weit die Zahl der zustimmenden Anrufe, Karten und Briefe: „Der Pfarrer paßt in unsere Welt. Wären doch alle so.“

Er zitierte auch dieses Witzwort über den Unterschied zwischen Johannes XXIII. und Martin Luther: „Luther sagte auf dem Reichstag zu Worms: ‚Hier stehe ich, ich kann nicht anders, Gott helfe mir.‘ Johannes XXIII. sagte am Beginn des Konzils: ‚Hier sitze ich, ich kann auch ganz anders, Gott helfe euch!‘“ Noch am gleichen Tag hatte der Hamburger Pastor ein Telegramm aus Wolfenbüttel erhalten: „Bitte Luther mehr respektieren.“

Ob ein Pfarrer in der Morgenandacht auch Witze erzählen darf – nun, tut er’s, hat er manchmal nichts zu lachen. Heinz Hinse SJ