Die Novellierung des F Um forderungsgesetzes soll eine verfahrene Situation zementieren.

Wir haben uns daran gewöhnt, den deutschen Film gleichzusetzen mit Lümmel-, Kolle-, Heintje und Pornoschnulzen. Es gibt eine gesetzliche Institution, die für ihren Erfolg sorgt: Von jeder verkauften Kinokarte zweigt sie zehn Pfennig ab und gibt den Produzenten dieser Filme, wenn sie innerhalb zweier Jahre 500 000 Mark eingespielt haben, 250 000 Mark für den nächsten Schmarren. Das Schnulzen-Kartell des deutschen Films, die Filmförderungsanstalt (FFA), hat seit drei Jahren nicht nur das Niveau heruntergefördert, auch seine filmwirtschaftlichen Auswirkungen sind katastrophal:

  • Der Publikumsschwund nimmt seit dem Inkrafttreten des Filmförderungsgesetzes (FEG) 1968 zu, jährlich werden etwa achtzig Millionen Besucher weniger gezählt;
  • die Kinos, vor allem kleine, sterben weiter aus, jährlich zwischen 350 und 400;
  • vom FFG profitiert nur noch die kleine, kapitalkräftige Gruppe der Erstaufführungskinos, Theaterketten und Groß verleihe;
  • die Filmproduktion ist seit dem Bestehen der FFA sprunghaft angestiegen, immer mehr schlechte Filme verstopfen die immer schmaler werdende Abspielbasis;
  • gute Filme des Auslands kommen kaum noch, und wenn, dann meist über das Fernsehen zu uns;
  • anspruchsvolle, avantgardistische und eigenwillige Filme, die mehr Zeit und eine .intensive Betreuung brauchen, um sich durchsetzen und amortisieren zu können, haben keinerlei Chancen mehr im eigenen Land.

Diese selbstmörderische Wirkung des FFG wird noch verstärkt durch das drohende Kassettengeschäft, den Medienverbund, die Expansion des Fernsehens auf dem Spielfilmsektor und durch die anstehende EWG-Harmonisierung, nach der ausländische Filme auch in Deutschland und deutsche im Ausland gefördert werden sollen – da sie absolut konkurrenzunfähig sind, werden die FFA-Gelder dann nur fremden oder Ko-Produktionen zufließen.

Die FFA ist jetzt auf Grund der von ihr geschaffenen Situation in finanzielle Schwierigkeiten gekommen, daher soll das Gesetz novelliert werden. Die Regierungsvorlage sieht nur Halbheiten und kleine Zugeständnisse vor, im Grunde eine Zementierung der verfahrenen Situation und den Versuch, die FFA schnell wirtschaftlich zu sanieren.

Initiator der Novelle ist Joachim Raffert, SPD-Bundestagsabgeordneter und Präsident (genauer: Vorsitzender des Verwaltungsrates) der FFA. Jemand also, der, statt seine Aufsichtsfunktion wahrzunehmen, sich zum Interessenvertreter einer Lobby machte, der zugleich kontrolliert und repräsentiert. Sein Fraktionskollege Wilhelm Dröscher nannte das FFG warnend einen „Modellfall... für falsches Zusammenwirken zwischen Staat und freier Wirtschaft. Es gibt den Großen, die da haben, und nimmt den Kleinen, die Hilfe brauchen“. Dennoch hat der Wirtschaftsausschuß des Bundestages die Novellierung bereits beschlossen; angehörter Sachverständiger: Joachim Raffeert.

Die Arbeitsgemeinschaft Neuer Deutscher Spielfilmproduzenten, die Arbeitsgemeinschaft der Filmjournalisten und das Syndikat der Filmmacher haben eine 43 Seiten starke präzise Analyse der Filmsituation mit sehr vernünftigen, plausiblen Reformplänen vorgelegt. Dennoch soll die FFG-Novelle noch in diesem Monat durch das Plenum gehen, ohne daß diese Vorschläge berücksichtigt werden.

Man rechnet offensichtlich mit dem Desinteresse und der Uninformiertheit der Abgeordneten. Für wie dumm läßt sich der Deutsche Bundestag verkaufen? Wolf Donner