In seinem Rechenschaftsbericht auf dem XXIV. Parteitag der KPdSU erklärte Generalsekretär Leonid Breschnjew:

„Neue Perspektiven in Europa eröffnen sich durch die wesentliche Veränderung unserer Beziehungen zur BRD

Während der gesamten Nachkriegszeit gingen wir wie auch unsere Verbündeten und Freunde davon aus, daß vor allem die Unantastbarkeit der Grenzen der europäischen Staaten die Grundlage für einen dauerhaften Frieden in Europa darstellt. Durch die Verträge der Sowjetunion und Polens mit der BRD wird nunmehr die Unantastbarkeit der Grenzen, darunter auch der zwischen der DDR und der BRD sowie der Westgrenze des polnischen Staates, mit aller Bestimmtheit bestätigt.

Im Zusammenhang mit der Frage einer Ratifizierung der erwähnten Verträge grenzen sich in Westdeutschland die politischen Kräfte scharf voneinander ab. Man sollte annehmen, daß die realistisch denkenden Kreise in Bonn und in einigen anderen europäischen Hauptstädten jene einfache Wahrheit begreifen, daß die Verzögerung der Ratizierung eine neue Vertrauenskrise in bezug auf die gesamte Politik der BRD auslösen und das politische Klima in Europa sowie die Aussichten auf eine internationale Entspannung verschlechtern würde ...

Die Einberufung einer gesamteuropäischen Beratung könnte zur Verbesserung der Lage in Europa insgesamt beitragen ... Zur Verbesserung des Klimas auf dem Kontinent ist es selbstverständlich notwendig, daß der sowjetisch-westdeutsche und der polnisch-westdeutsche Vertrag möglichst rasch in Kraft treten. Auch die mit Westberlin zusammenhängenden Probleme müssen geregelt werden. Wenn die USA, Frankreich und Großbritannien ebenso wie wir von der Achtung der alliierten Abkommen, die den Sonderstatus von Westberlin festlegen, und von der Achtung der souveränen Rechte der DDR als eines unabhängigen sozialistischen Staates ausgehen werden, können die gegenwärtig stattfindenden Verhandlungen zum gegenseitigen Vorteil aller interessierten Seiten... erfolgreich zum Abschluß gebracht werden.

Eine aktuelle Aufgabe ist ferner, daß gleichberechtigte, auf den allgemein anerkannten Normen des Völkerrechts beruhende Beziehungen zwischen der DDR und der BRD hergestellt und diese beiden Staaten auch in die UNO aufgenommen werden...“