Von Sybil Gräfin Schönfeldt

Kinderbuchautor zu sein, scheint sich allmählich zu lohnen. Es gibt Bestsellerlisten von Kinderbüchern, Filme nach Kinderromanen, steigende Auflagen, einen Bundeskanzler, der weiß, daß es Kinderliteratur gibt, und einen Bundespräsidenten, der Kinderdichter bei sich empfängt, und selbst die Kinderbuchverleger äußern sich nicht mehr nur sorgenvoll, sondern laden selbst Autoren zu Austern ein.

Ist es, wie eine Leserin schrieb, „so reizend, für Kinder schreiben zu dürfen“? Es gibt Verlage, die diese reizende Tätigkeit mit 1,7 oder 2,5 Prozent vom Ladenpreis des fertigen Buches honorieren (angestrebtes allgemeines Durchschnittshonorar: 10 Prozent), wobei noch zu bedenken ist, daß diese 1,7 Prozent weniger als 1,7 Prozent beim Buch für Erwachsene sind, denn die Ladenpreise der Kinderliteratur müssen möglichst niedrig liegen, weil Eltern sonst überhaupt nicht in die Tasche greifen (Durchschnittsladenpreis für Jugendbücher: 6,38 DM, für Bücher: 18,60 DM).

Es gibt Sendestationen, die ihren Kinderfunkautoren 150 DM für eine Originalsendung von 45 Minuten gezahlt haben (etwa 15 Manuskriptseiten). Die schüchterne Bitte des Autors um Honorarerhöhung, nach ein paar Jahren, wurde beantwortet: „Wir haben uns schon gewundert, daß Sie nichts gesagt haben!“

„Das Schlimmste“, sagt Hans-Georg Noack, Sprecher vom Ausschuß für Kinder- und Jugendbuchautoren, „sind nicht unsere großen Verlage, die für die 1. Auflage höchstens 5 Prozent zahlen. Das Schlimmste sind die fast unbekannten Verlage, deren Bücher nie besprochen werden und die einen erheblichen Teil des Marktes beherrschen.“

Er hat Verträge vorliegen, zum Beispiel von Fischer, Göttingen: Für das Manuskript eines Buches mit dem Ladenpreis von 3,95 DM wird für die Auflage von 30 000 Stück eine Pauschale von 1250 DM gezahlt. Danach wird jährlich abgerechnet. Kolibri, Wuppertal, zahlt für das Manuskript eines Bändchens, 64 Seiten, bei einer Auflage von 30 000 Stück 200 DM. Danach gibt es noch mal 100 DM, dann ist es aus. Weichert, Hannover: für ein Manuskript von 300 Blatt werden bei einer Auflage von 30 000 Stück 1000 DM als Pauschale gezahlt. Bei einer nächsten Auflage gibt es noch mal 400 DM, dann ist Schluß, soviel der Verlag auch weiterdrucken mag. Spectrum, Stuttgart, zahlt für Heftchen 3 Prozent vom Ladenpreis, bei verbilligten Sonderausgaben jedoch nur 2 Prozent. In beiden Fällen werden vom Honorar des Autors noch 10 Prozent für die Einpassung der Bilder abgezogen.

Verträge dieser Art bezeichnen die Sonderstellung, die Unterschiede zwischen den Kinderbuch- und anderen Autoren. Kinder- und Jugendbuchautoren haben in zu vielen Fällen keine Ahnung von Kalkulation und Rechten, und sie sind bislang eine lose Gruppe von Einzelgängern gewesen, nicht ernst genommen vom Publikum und von ihren „erwachsenen“ Kollegen, deshalb wenig selbstbewußt und in der Diskussion um Honorare rasch auszupunkten.