Kairo bemüht sich auf allen Wegen, einen Rückzug der israelischen Truppen aus den besetzten Gebieten zu erreichen. Bis jetzt waren den Bemühungen keine Erfolge beschieden; offizielle und halbamtliche Stellen sprechen immer häufiger davon, daß ein neuer Krieg unvermeidlich sei. Ägyptens Staatspräsident Sadat nannte mehrfach Ende April als den letzten Termin, bis zu dem ein Fortschritt sichtbar geworden sein müsse.

In der vergangenen Woche bot Kairos Außenminister Riad der Bundesrepublik die Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen an, falls sich Bonn zu einer nachdrücklichen Verurteilung der „israelischen Aggression“ verstehe. Bonn begrüßte den Vorschlag, die Beziehungen wieder zu normalisieren, lehnte jedoch Vorbedingungen hierfür ab.

Auch das israelische Kabinett erteilte Ägypten am Wochenende eine Absage. Sadat hatte den Abzug israelischer Truppen aus der Kanalzone und die Besetzung des Ostufers durch ägyptische Soldaten vorgeschlagen. Als Gegenleistung bot er einen befristeten Waffenstillstand und die Öffnung des Suezkanals.

Im arabischen Lager zeichnen sich neue Gegensätze ab. Seit Sonntag befaßt sich in Kairo – gegen den Protest Ammans – ein Gipfeltreffen von acht arabischen Staaten mit der Lage in Jordanien. Regierungstruppen und Freischärler kämpfen dort seit gut einer Woche miteinander. König Hussein hat die Vermittlungsversuche der Schiedskommission als ungerechtfertige Einmischung zurückgewiesen; der Vorsitzende der Palästinenser-Organisationen, Arafat, proklamierte die Fortsetzung des Kampfes, um Jordanien als Hauptstützpunkt der palästinensischen Revolution zu erhalten.