Der gemäßigte Ton des Rechenschaftsberichts von Parteichef Breschnjew bestimmte den Verlauf der ersten Hälfte des XXIV. Parteitages der KPdSU in Moskau.

Im außenpolitischen Teil seiner sechsstündigen Rede vor 5000 Delegierten und zahlreichen Abordnungen aus dem In- und Ausland übte Breschnjew die schärfste Kritik an den Vereinigten Staaten von Amerika, denen er eine Verhärtung ihrer Politik vorwarf. Zugleich sprach er aber auch die Überzeugung aus, daß eine Verbesserung der Beziehungen möglich sei.

Gegenüber Peking stellte der sowjetische Parteichef Fortschritte in den Bemühungen um bessere Beziehungen fest. Trotz der anhaltenden Propaganda Pekings gegen Moskau rechne er. letzten Endes doch mit einer Wiederherstellung der Freundschaft.

Auf Ausgleich bedacht äußerte sich Breschnjew zu den Beziehungen mit den westeuropäischen Staaten. Er hob das freundschaftliche Verhältnis zu Frankreich hervor und forderte die Bundesrepublik auf, den Vertrag. mit Moskau bald zu ratifizieren. Eine Drohung andie Adresse Bonns enthielt der Zusatz, bei einer Nichtratifizierung könne ein politischer Rückschlag in ganz Europa eintreten.

Die Bedeutung, der Verträge Bonns mit Moskau und Warschau betonte am Wochenende auch der sowjetische Außenminister Gromyko vor dem Parteitag. Er forderte, daß mit der Ratifizierung zugleich eine europäische Sicherheits-

konferenz einberufen und die Verhandlangen über Westberlin abgeschlossen werden müßten. Beachtung fand in Moskau, daß Gromyko in seiner Rede Kritiken im eigenen Lager an Verträgen sozialistischer Staaten mit kapitalistischen Staaten erwähnte.

Außenpolitische Priorität hat für Moskau wie schon in den vergangenen fünf Jahren die Konsolidierung des Ostblocks. Außerhalb des Ostblocks sind die Unterstützung Nordvietnams und Ägyptens weiterhin zentrale Punkte der sowjetischen Außenpolitik.