In den blutigen Konflikt in Ostpakistan hat sich das sowjetische Staatsoberhaupt Podgorny eingeschaltet. Er appellierte an den pakistanischen Präsidenten Yahya Khan, „unverzüglich Maßnahmen zu treffen, um das Blutvergießen und die Repressalien gegen die Bevölkerung von Ostpakistan zu beenden und zu Methoden einer friedlichen politischen Regelung überzugehen“.

Währenddessen haben sich die Spannungen zwischen Pakistan und Indien weiter verschärft, obwohl die indische Ministerpräsidentin Indira Gandhi betonte, ihr Land habe sich noch nie in die Angelegenheiten anderer Staaten eingemischt. Deutlicher äußerte sich Indiens Außenminister Swaran Singh. Er warf dem Militärregime in Islamabad „nackte Barbarei“ vor.

Trotz eines Dementis der indischen Regierung beschuldigt Pakistan den Nachbarstaat weiter, bewaffnete „Infiltranten“ nach Ostpakistan eingeschleust zu haben, die die dortige „Sezessions-Bewegung“ stützen, sollten.

Die Lage in Ostpakistan ist immer noch unklar. Die Informationen widersprechen einander. Die Zahlenangaben über die von den Regierungstruppen im Kampf oder durch Massaker umgebrachten Bengalen schwanken zwischen 10 000 und 300 000. Während Radio Pakistan meldet, die Lage in den Städten und auf dem Lande beruhige sich, sprechen Radioberichte in Indien und Flüchtlinge von anhaltenden Kämpfen.

So berichtete auch die Nachrichtenagentur AP, ausländische Reporter hätten aus Ostbengalen gemeldet, dort werde das Gebiet von der bengalischen Freiheitsarmee kontrolliert. Der Oberkommandierende des südwestlichen Militärbezirks von Bengalen berichtete einem Korrespondenten der Agentur, fast das ganze Gebiet, das er befehlige, sei „befreit“ worden.

Der Organisationssekretär der ostpakistanischen Awami-Liga, Mijanur Rahman, soll in einem Interview gesagt haben, die westpakistanischen Truppen kämen in zunehmende Versorgungsschwierigkeiten. Die Bengalen seien dabei, aus übergelaufenen bengalischen Regimentern der pakistanischen Armee und aus Polizeieinheiten eine Armee zu bilden.

Von neuen Massakern in Dacca und anderen Orten berichten Flüchtlinge. So sollen in Radschahi, nahe der indischen Grenze, von der pakistanischen Armee 500 Polizisten erschossen worden sein, die sich unter einer weißen Fahne ergeben wollten.