Von Heinz Josef Herbort

Der Schnee auf den Nordhang-Gletscherpisten des Kitzsteinhorns hat zu dieser Jahreszeit, wenn unten in den Tälern längst Krokusse und Forsythien und Veilchen blühen, eine hinreißende Qualität, Pulver bis Firn, selbst noch um die Mittagszeit, wenn die Sonne unmerklich und darum gefährlich stark ist. Sämtliche Lifte sind in Betrieb, das Sonnenbad ist schon im Liftpreis enthalten, und nur die Wartezeit morgens an der Talstation der Gondelbahn, fünfundvierzig Minuten bis über eine Stunde, mit den entsetzlich stereotypen Unterhaltungen kann empfindsameren Gemütern arg zusetzen.

Aber es läßt sich machen: Gegen acht Uhr Abfahrt aus Kaprun oder Zell am See, zehn Uhr auf dem Gipfel (3200 Meter), zweieinhalb bis drei Stunden diverse Pisten, Sonnenbad, Mittagsmahlzeit; gegen halb zwei Abfahrt zur Salzburger Hütte (1900 Meter), von dort Gondel zum Tal; Bad, Garderobe; 16.15 Uhr Abfahrt aus Kaprun oder Zell am See, 18.00 Uhr kleiner Imbiß in Salzburg, 19.00 Uhr "Fidelio" (an Tagen mit Konzerten alles eine halbe Stunde früher), Nachtessen bei Moser, gegen eins ist man wieder im Skigebiet.

Herbert von Karajans fünfte Salzburger Osterfestspiele einmal als eine Variante der Aktion "Trimm Dich" – das ist durchaus zu machen.

"Ich bin glücklich sagen zu dürfen, daß diese fünf Jahre die Grenze zwischen Förderern, Abonnenten und einer Musik-Institution fallen ließen und nur Freunde zusammentreffen, gewillt, der Schönheit zu dienen und sich von ihr erheben zu lassen" (Herbert von Karajan im Festspiel-Almanach). Ob durch "Trimm Dich" oder Haute Couture: die Freunde, vor allem die Freundinnen waren in diesem Jahr schöner denn je. Rund 1700 sind es inzwischen geworden, die sich die Möglichkeit, Karten zu erhalten (ein Jahr im voraus vergriffen), dadurch erkaufen, daß sie für 200 Mark jährlich dem "Freunde"-Verein angehören.

Nach vier Etappen zu Wagners "Ring des Nibelungen" nun also Beethovens "Fidelio". Es gab ihn im vergangenen Jahr – schließlich hatten wir da ein Jubiläum zu feiern – allenthalben; es gab ihn auch, im Mai, in Wien, unter Leonard Bernstein, und der hörte und sahsich jetzt in Salzburg die Arbeit seines Kollegen Karajan an, was ihm sichtlich Spaß bereitete; es gab "Fidelio" schließlich auch, im Sommer, im Salzburger Festspielhaus, unter Karl Böhm und Günter Rennert. Aber Herbert von Karajan genießt, zumindest für sich und die Freunde, das Vorrecht, selbst verspätet noch das Pünktchen aufs i zu setzen.