Von Hans Otto Eglau

Bei mir sollen sich die Kunden die Ärsche aneinander reiben“, veranschaulichte einst Leonhard Tietz, der Gründer des heutigen Kaufhof-Konzerns, recht drastisch sein Prinzip, die Besucher seiner Warenhäuser durch ein Labyrinth enger Gänge zu schleusen.

Der Osnabrücker Kaufmann Jürgen Frömbling, 40, hält das alte Tietz-Rezept noch heute für modern. Nur bei Frömbling kauft kein gemischtes Großstadtpublikum in mehrstöckigen Warenpalästen, sondern überwiegend Provinzlerinnen in 430 über ganz Deutschland verstreuen 50 bis 200 Quadratmeter großen Kleinstad:läden. Unter dem Namen „Seifen-Platz“ halten sie mit Ausnahme von Lebensmitteln alle Artikel vorrätig, die Hausfrauen beinahe täglich brauchen: Wasch- und Reinigungsmittel, Kosmetika, Kleintextilien, Drogerieartikel, Haushalts waren, Tierpflegeartikel, Schreibutensilien und Babyprodukte.

Mit seinen engen Gemischtwarenläden zwischen Norderney und Lahr nahe der Schweizer Grenze (Umsatz 1970: 231 Millionen Mark) gelang es dem Osnabrücker Filialbesitzer, Plätze zu besetzen, an denen der örtliche Einzelhandel durchweg noch wenig rationell arbeitet, die aber von den modernen Großbetrieben der Branche, vor allem den Warenhauskonzernen, mangels Kundenmasse bislang links liegengelassen wurden: Kleinstädte von 5000 bis 50 000 Einwohnern. Noch einen anderen Vorteil kann Jürgen Frömbling mit seinen Geschäften abseits der Großstädte für sich nutzen. In der Provinz bekommt er leichter Personal, und das zu Löhnen, die mindestens zehn Prozent unter denen der Citys liegen.

Bis 1985 will der niedersächsische Familienunternehmer weitere 300 Geschäfte eröffnen. Darüber hinaus testet er bereits heute in großstädtischen Shoppingcenters Varianten seiner Landläden, um in 15 Jahren für den Einbruch auch in dicht besiedelte Räume gerüstet zu sein, wenn sie in der Provinz keine Expansionschancen mehr für ihn bieten.

Über die aggressive Filialgruppe herrscht heute ein Mann, der ursprünglich alles andere als eine Händlerkarriere im Sinn hatte. Jürgen Frömbling war vielmehr bereits nach dem Abitur dazu ausersehen, an Stelle seines Vaters einmal die Leitung eines Stärkewerkes zu übernehmen, das neben der Osnabrücker Seifenfabrik zum Besitz der Familie Frömbling gehörte. Als Vorbereitung auf seine Fabrikantenlaufbahn absolvierte der Filius dann auch zunächst bei zwei Branchenkollegen ein Kurzvolontariat und schrieb sich anschließend an der Universität Erlangen als Student der Lebensmittelchemie ein.

Jürgen Frömbling hatte gerade zwei Semester die Hörsaalbank gedrückt, als ihm sein Vater während der Weihnachtsferien 1952 eine bittere Wahrheit anvertraute: Der Absatz der von den Frömblings produzierten Reisstärke (die zum Stärken von Oberhemden verwendet wurde) war so.stark zurückgegangen, daß das Werk geschlossen werden mußte. Vater Frömbling hatte sich jedoch bereits einem neuen Projekt verschrieben.