Chiles Präsident Salvador Allende hat die erste Feuerprobe seiner Regierung bestanden. Bei den Wahlen in 280 Kommunen, zu denen am letzten Sonntag knapp drei Millionen Chilenen aufgerufen waren, errang seine "Unidad Populär", die von fünf Parteien gebildete Volksfront, gut 51 Prozent der Stimmen. Gegenüber der Präsidentenwahl im September 1970 verbesserte sie sich damit um knapp 15 Punkte.

Die beiden großen Oppositionsparteien – Christliche Demokraten und Nationalpartei – sowie die außerhalb der Volksfront stehenden Radikaldemokraten kamen auf fast 48 Prozent.

Die Kommunalwahl war allgemein als Test für Allendes sozialistische Regierungspolitik aufgefaßt worden. So wurde der Wahlkampf von allen Seiten mit einiger Härte – es gab zahlreiche Verletzte und einen Toten – geführt. Allende griff, entgegen chilenischer Tradition, direkt in den Wahlkampf ein. Mit besonderer Schärfe argumentierten die Christlichen Demokraten, deren Stimmen Allende die Wahl zum Präsidenten verdankt.

Allendes Position innerhalb der Volksfront verbesserte sich durch die hohen Stimmengewinne seiner Sozialistischen Partei. Er gewann damit Bewegungsfreiheit gegenüber den Kommunisten, denen Allendes Sozialisierungsmaßnahmen nicht schnell und weit genug gehen.