Nun wird es also keine Oster-Passierscheine geben – aber damit konnte wohl auch niemand mehr rechnen, seit die DDR ihre Absicht, nämlich die Botschaftergespräche zu präjudizieren, nicht durchzusetzen vermochte.

So bleibt von dieser Episode nur zweierlei zurück: Die Enttäuschung derer, die gehofft hatten, nach Jahren endlich ihre Verwandten wiedersehen zu können, und der Spott jener, die nicht ohne Genugtuung feststellen, daß Brandts Ostpolitik nicht von der Stelle kommt. Merkwürdigerweise sind dies genau die gleichen Leute, die erst so entrüstet waren, weil die Verhandlungen mit dem Osten angeblich ungebührlich rasch – viel zu rasch nach ihrer Meinung – vonstatten gingen.

Niemand vermag heute zu sagen, ob die Ostpolitik bereits festgelaufen ist oder ob man noch mit einem Berlin-Arrangement rechnen kann, das dann seinerseits die Ratifizierung in Gang setzt. Wenn die Opposition aus den Reden, die beim Moskauer Parteitag gehalten wurden, zu deduzieren versucht, es sei längst alles zu Ende, so ist dies nicht gerade ein Beweis politischer Phantasie: Gleichgültig, ob Moskau entschlossen ist, schließlich nachzugeben oder doch hart zu bleiben, in beiden Fällen muß der Kreml bis fünf Minuten vor zwölf eisenhart jede Konzessionsbereitschaft leugnen, schon um sich vor der DDR rechtfertigen zu können.

Aus dieser Situation kann man nur eine Schlußfolgerung ziehen: Auf keinen Fall nachgeben, sondern hart bleiben und abwarten. „Uns steht der Wind nicht ins Gesicht“, wie Chruschtschow einst zu Adenauer sagte. Mit anderen Worten, wir haben Zeit, und niemand wird dem Kanzler Brandt einen Vorwurf machen, wenn die andere Seite die Verträge noch einmal auf Eis legt – schließlich haben wir getan, was möglich war. Manche meinen vorwurfsvoll, sogar noch mehr als dies. Dff