Je mehr Zwang man sich auferlegt, desto mehr befreit man sich von den Ketten, die den Geist fesseln. Igor Strawinski-

„Sesame Street“ öffnet sich

Nach einem langen Gerangel zwischen demNDR (für die ARD) und der Firma Beta (für das ZDF) hat Ende letzter Woche die amerikanische Produktionsgruppe „Children’s Television Workshop“ endgültig dem NDR Hamburg die Bearbeitungsrechte an der Kinder-Fernseh-Serie „Sesame Street“ zugesprochen. Das Millionenunternehmen, von dem in den USA bisher 260 Folgen von je einer Stunde vorliegen, wird ein gemeinsames Projekt der Dritten Programme. „Sesame Street“ gilt als das beste und erfolgreichste Vorschul-Programm der Welt; es versucht, mit neuartigen pädagogischen Methoden Sprachbarrieren abzubauen und eine weitgehende Chancengleichheit der unterprivilegierten Schichten Amerikas für den Schulbeginn durchzusetzen. Fünf Folgen stellte der NDR diese Woche bereits zur Diskussion, in der Originalfassung mit einem deutschen Kommentar: Aufforderung an Soziologen, Pädagogen, Psychologen, Sozialarbeiter, Kindergärtnerinnen und interessierte Eltern, sich mit dem Problem der Vorschul-Erziehung zu beschäftigen. Die „Sesame Street“ ist hier noch umstritten: Eine Opposition in Fachkreisen und bei einigen Fernsehanstalten plädiert für eine eigene deutsche Konzeption.

Heinrich Mann auf DIN A 5

Auf der Heinrich-Mann-Tagung in Lübeckwurde die Gründung einer Heinrich-Mann-Arbeitsgruppe ins Auge gefaßt, deren vorläufige Koordinierungsstelle das Germanistische Seminar der Universität Frankfurt sein soll. Gleichzeitig wurde eine Koordinierungsstelle für Doktoranden vereinbart. Die Adresse lautet: Frithjöf Trapp, 5 Köln 91, Servatiusstraße 145. Doktoranden, die über Heinrich Mann arbeiten, werden gebeten, auf einer DIN-A5-Karteikarte Name, Anschrift, Thema und eine möglichst ausführliche Beschreibung ihres Arbeitsplanes anzugeben.

Berieselungen

Eine Breitseite gegen das Konzept der documenta 5 hat Rudolf Zwirner, der Kölner Galerist und Mitglied der Kölner Kunstmarkt-Gruppe, abgefeuert. Von der „Mittelmäßigkeit der Ausstellungsidee“ ist in seiner Stellungnahme die Rede, die er vor allen Dingen in dem Versuch sieht, „,formale Prinzipien durch inhaltliche zu ersetzen’... nicht das ‚Wie‘, sondern das ‚Was eines Werkes wird zum Maßstab Die Autonomie eines Kunstwerkes jedoch, bedeutet nicht l’Art pour l’Art, sondern ist sehr wohl verankert mit den,objektiven Bedingungen‘ der Gesellschaft, deren Mitglied der Künstler ist“. Aber auch für die Kunst-Didaktik fürchtet Zwirner. Nach den „laienhaften und irreführenden Interpretationen“ Bazon Brooks in der Besucherschule der letzten documenta sollte „Herr Brock zunächst seine Kriterien für eine Besucherschule bekannt machen, damit sichergestellt wird, daß nicht auch hier eine ideologische Berieselungsanstalt eingerichtet wird“. Das Gute wie das Ermüdende an der documenta war schon immer, daß sie mindestens ein Jahr vor der Eröffnung beginnt.