Wirtschaft

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DIE ZEIT

Unrecht

Recht muß unparteiisch gesprochen werden – dies die Auffassung westlicher Juristen; ganz im Gegenteil, es muß parteiisch sein – so die Forderung östlicher Regierungen.

Die Attentäter

Die Motive gleichen sich fatal: der 20 jährige Gärtner Carsten Eggert, der mit einem feststehenden Messer den Bundespräsidenten umbringen wollte, der 21jährige Krankenpfleger Ekkehard Weil, der einen russischen Wachsoldaten am sowjetischen Ehrenmal anschoß, der Mann, der in La Paz mit den Fäusten auf Außenminister Scheel losging – sie alle wollten auf ihre Weise „politischen Widerstand“ leisten.

Ein General und dreißig Chefs

Wird jetzt auch die Bundeswehr in jenen Prozeß polemisierender Polarisierung hineingezerrt, in dem die Bonner Parteien neuerdings ihre Gefühle der Ohnmacht und Vergeblichkeit abreagieren? Es wäre kurzsichtig.

Pekinger Ping-Pong

In Peking wurde Premiere gefeiert: Zum ersten Male seit der kommunistischen Machtergreifung im Jahre 1949 hob sich der undurchlässige Bambusvorhang für eine Gruppe von amerikanischen Sportlern.

ZEITSPIEGEL

Bei einer Aufführung von Shakespeares „Verlorene Liebesmüh“ in Prag wurde der Satz „Wir sind an Schande gewöhnt...“ mit minutenlangem Beifall quittiert.

Ein Prophet des Zynismus

Gesucht wurde, wie jedes Jahr, von der Deutschland-Stiftung ein Auserkorener für den Konrad-Adenauer-Preis, Sparte Publizistik, zur Entgegennahme einer Urkunde und eines 10 000-Mark-Schecks, ausgehändigt vom ehemaligen bayerischen Landwirtschaftsminister Alois Hundhammer.

Log Vialon?

Anfang dieser Woche begann in Koblenz vor der IV. Großen Strafkammer der Prozeß gegen den Staatssekretär i. R. Friedrich Karl Vialon wegen eines Meineides, den der Angeklagte vor acht Jahren als Zeuge in einem NS-Verfahren geschworen haben soll.

Nur den Mund gespitzt

Franz Josef Strauß hat, nicht zum erstenmal, beträchtlich zur Verunsicherung der CDU beigetragen. In einem Interview mit dem Stern bescheinigte er Gerhard Schröder Eignung zum Kanzlerkandidaten der Union: Er habe „seiner Intelligenz nach, seiner Erfahrung nach, seiner Behutsamkeit nach viele Elemente, die auch ihn für das Kanzleramt geeignet erscheinen lassen“.

Schnelle Federn

Die Prominenz der Labour Party tröstet sich beim Memoirenschreiben Von Karl-Heinz Wocker

Wettläufer im Korsett

Der 24. Parteitag der KPdSU hat sein Plansoll erfüllt. Im Stil der Nach-Chruschtschow-Ära wurden die Entscheidungen nicht debattiert, sondern als fraglose Selbstverständlichkeiten verkündet und gebilligt.

Wolfgang Ebert:: Krise bei CDU?

Diese Firma bleibt leider manchen einiges schuldig, sagte einer aus der Autobranche, als ich ihn auf die Gerüchte ansprach, wonach CDU so gut wie pleite sei und eventuell Konkurs anmelden muß.

Unter Verdacht

Die Verhandlungsrunde um den englischen Beitritt zur EWG, die in wenigen Wochen auf dem Brüsseler Terminkalender steht, gilt auch in Paris als „entscheidend wichtig“.

Dissonanz in der Diskussion: Erst mal genau hinhören

Der CSU-offizielle Bayern-Kurier nannte ihn einen „naiven Christen“, die kirchenoffiziöse Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) quittierte ihm „eine fatale politische Blindheit und eine keineswegs ungefährliche Unvertrautheit mit Fakten“: Karl Rahner, 66, Professor für katholische systematische Theologie an der Universität Münster und Konsultor des vatikanischen „Atheismus-Sekretariats“ war mit der neuesten Ausgabe der von ihm mitherausgegebenen Vierteljahresschrift Internationale Dialog-Zeitschrift ins konservative Fettnäpfchen getreten.

Angst vor Jumbos

Die Bilanz des Flughafens Stuttgart-Echterdingen im Jahr 1970: 1,6 Millionen Fluggäste, 26 000 Tonnen Luftfracht und 5000 Tonnen Luftpost.

Von Kiel gefoppt

Die Wiese steht im Saft, gelb gesprenkelt von blühendem Löwenzahn. Sie grenzt an Laubgehölz. Rot- und schwarzbunte Rinder grasen am Fuße einer Gangway mit der Aufschrift „Flughafen Hamburg“.

Gstanzl gegen Fluglärm

Das Attentat wurde per Post verübt. Als Münchens Flughafendirektor, Wulf Diether Graf zu Castell, vor kurzem in seiner Villa in Grünwald den braunen Briefumschlag öffnete, den ihm der Briefträger gerade ins Haus gebracht hatte, gab es eine Explosion.

Manchmal ist das Pulver naß

In der Stille seiner wenigen Ruhetage betreibt der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen das Sandkastenspiel des Parteistrategen, der mit den Vorbereitungen zur Bundestagswahl 1973 beginnt, die bekanntlich für das ganze Bundesgebiet vornehmlich an Rhein und Ruhr entschieden wird.

Lahme Lufthansa

In unser aller Namen erklärte der Bundesverkehrsminister die Lufthansa für schutzbedürftig gegen die Konkurrenz von Charter-Gesellschaften auf lukrativen Strecken.

Bonn: Affäre um Interview

Der Bundestag wird einen Untersuchungsausschuß einsetzen, der sich mit der Interview-Affäre des vom Dienst suspendierten Kommandeurs der 7.

Dokumente der ZEIT

„Als Sie auf einer Pressekonferenz nach Ihrer Meinung über My Lai gefragt wurden, sagten Sie: ,Was dort geschah, war ein Massaker, das sich unter keinen Umständen rechtfertigen läßt.

Washington: Nixon enttäuschte

Die mit Spannung erwartete Rede Präsident Nixons zum Vietnamkrieg hat in den USA enttäuscht. Der Präsident kündigte Mitte vergangener Woche eine leichte Erhöhung der monatlichen Abzugsrate an und versprach, daß Ende 1971 nur noch 184 000 Mann in Südvietnam stehen würden.

Pakistan klagt Indien an

Der ostpakistanische Bürgerkrieg droht eine neue Krise zwischen Indien und Pakistan heraufzubeschwören. Die pakistanische Zentralregierung war in den letzten acht Tagen Indien mehrfach vor, sich in die Kämpfe einzumischen, die „Insurgenten“ durch Waffen und Freiwillige zu unterstützen und im indischen Staat Westbengalen Truppen zu massieren.

Moskau gab Anspruch auf

In der Auseinandersetzung um die Ostpolitik zwischen der Bundesregierung und der CDU/CSU-Opposition haben Regierungskreise jetzt bestätigt, daß in den geheimgehaltenen Protokollen der Moskauer Vertragsverhandlungen eine Erklärung des sowjetischen Außenministers Gromyko enthalten ist, nach der die Sowjetunion darauf verzichtet, die Feindstaatenklausel einseitig gegen die Bundesrepublik anzuwenden.

Rebellion gegen Ceylons Regierung

Nach zehn Monaten Regierungszeit hat die Links-Regierung der Ministerpräsidentin von Ceylon, Sirimavo Bandaranaike, eine schwere Probe zu bestehen.

Kleiner Gipfel in Kairo

Mit eintägiger Verspätung begann am Dienstag in Kairo die Gipfelkonferenz des Tripolis-Paktes – Ägypten, Syrien, Libyen und der Sudan.

Attentats-Versuch: Einmütig verurteilt

Das versuchte Attentat auf Bundespräsident Heinemann hat in Bonn große Bestürzung ausgelöst. Gegen den 20jährigen Carsten Eggert wurde Haftbefehl wegen versuchten Mordes erlassen.

Breschnjew stärkte seine Position

Der zehntägige XXIV. Parteitag der KPdSU in Moskau hat in seiner zweiten Hälfte die von Parteichef Breschnjew in seiner Eröffnungsrede gesteckten Ziele bestätigt: Verständigung nach außen mit einer besonderen Offerte an Peking, die alte Freundschaft wiederherzustellen, die Festigung der Geschlossenheit des „so-, zialistischen Lagers“, Ausbau der Wirtschaft in der Sowjetunion mit dem Ziel, trotz Priorität für die Schwerindustrie und damit eingeschlossen auch der Verteidigung einen höheren Konsumstandard zu erreichen sowie eine bessere Kontrolle der Einheitlichkeit in der Partei.

“Dann werden wieder alle irre an mir“

Als 1905 in Petersburg die Sozialistische Revolution ausbrach, war der Sohn eines Bassisten des Kaiserlichen Operntheaters Igor Fjodorowitsch Strawinsky 23 Jahre alt, hatte mit dem Jura-Studium Schluß gemacht, nahm statt dessen, teils Freund der Familie, teils Schüler des Hausherrn, an den „Musikalischen Mittwochabenden“ bei Nikolaij Andrejewitsch Rimskij-Korssakow teil und führte hier einen Liederzyklus auf Verse von Puschkin vor, der den Titel trug „Faun und Schäferin“.

SCHALLPLATTEN

Mozart ohne alle Mozärtelei – verhalten, aber ganz klar und prägnant. Es gibt heute keine besseren Aufnahmen der Konzerte. George Szell ist, abgesehen von seiner Neigung zu Pauken- und Trompeten Vehemenz, für Casadesus der rechte, vorbildlich sachdienliche Partner.

Unsere Sprache: Merkwürdiges Anglodeutsch

Im Jahre 1960 berichtete ein Leitartikel in der Times von der „Korruption der deutschen Sprache, die durch den gesteigerten Verkehr mit den englischsprechenden Ländern entsteht“.

Liebe als Totschlag

Von jenem englischen Nachholnaturalismus, dem seine beiden ersten Stücke scheinbar zugehörten, unterscheidet sich Edward Bond schon allein durch die Trauer und Besessenheit, mit denen er seinen Themen die blutenden Fleischklumpen der zerfetzten Menschennatur entreißt.

Schulen korrumpieren nur

RAINER TAENI: Sie haben sich vor allem als Dramatiker einen Namen gemacht. In der deutschen Ausgabe eines Ihrer Stücke steht, Sie hätten etwa vierzehn Stücke geschrieben, obwohl ja nur vier bekanntgeworden sind.

Edward Bond

Rund zehn Jahre vor Edward Bonds „Gerettet“, also 1956, schrieb John Osborne sein „Blick zurück im Zorn“ – ein Stück, das für die deutschen Bühnen eine Schleuse zu öffnen schien, durch die ein gutes Jahrzehnt lang „Wohnküchenstücke“ aus England unsere Theater überschwemmten.

Prospekt und Lexikon

Bei der wachsenden Buchproduktion macht sich der Wunsch nach literarischen Übersichten immer stärker bemerkbar. Es ist eine groteske Tatsache, daß sie sich oft besser verkaufen als die Primärliteratur.

Elegante Gewalt

Von oben Photographien, sehen Kenzo Tanges Olympiahallen in Tokyo ganz falsch aus: wie leicht sich wellende Blätter, zart und zerbrechlich.

KRITIK IN KÜRZE

„Der Seele dunkle Pfade – ein Roman um Sigmund Freud von Irving Stone. Sigmund wurde es schwarz vor den Augen, als hätte ihm ein Tintenfisch seinen Saft hineingespritzt Auch sechs Jahre Forschungsarbeit reichen eben noch nicht, um aus dem Leben eines Mannes, der ein genialer Wissenschaftler war, aber ziemlich unauffällig lebte, einen packenden Romanstoff zu machen; ein wenig Schriftstellerphantasie gehört auch dazu.

Ein ganz leises Gefühl

Archivar bei Tag, Romancier und Kritiker bei Nacht, ist José Cabanis ein „Romancier der Provinz“, wie François Mauriac, wie der von Cabanis öfters genannte Marcel Jouhandeau – nur daß Cabanis einer der wenigen französischen Schriftsteller ist, die niemals nach Paris übersiedelt sind, um jene Politik des komme de lettres zu praktizieren, die mit wenigen Ausnahmen zur Karriere des französischen Berufsschriftstellers gehört und zu der ein Domizil in Paris so notwendig ist wie zur Wahl in die französische Akademie, zu deren statuarischen Bedingungen eine Pariser Adresse zählt.

AUFSTIEG • JOB • VERDIENST

Fast die Hälfte aller Ausbildungsstellen in der deutschen Wirtschaft ist nicht besetzt Nach Meinung der Industrie besteht auch keine Aussicht darauf, daß diese Lücke geschlossen wird.

Arbeitsamt für Großverdiener

Was macht ein Manager, Mitte 50, Jahresgehalt 320 000 Mark, wenn er einen neuen Arbeitsplatz sucht? Am billigsten und zuverlässigsten wird er bedient, wenn er zum Arbeitsamt geht.

ZEITMOSAIK

Vom 28. August bis zum 1. September wird in Antwerpen der 9. Internationale Hegel-Kongreß stattfinden. Die Themen entstammen vorzüglich den Stoffgebieten, die im Briefwechsel des deutschen Philosophen mit seinem Freunde Van Ghert erörtert worden sind: Wissenschafts- und Systemtheorie, Erziehungswissenschaft, interdisziplinäre Relationen, ferner das Verhältnis Hegels zu einzelnen wissenschaftlichen Disziplinen.

Fernsehen: Theologie will gelernt sein

Natürlich gibt es das alles: evangelische Damen aus den gehobenen Kreisen, die wie evangelische Damen aus den gehobenen Kreisen aussehen – lächelnd, bösartig, karitativ, gesetzestreu und bigott.

„Die Versicherung“ von Peter Weiss in Essen: Akt an Akt gereiht

Während von Peter Weiss’ neuem Stück „Hölderlin“ bereits geraunt wird, kommt „Die Versicherung“, sein erstes, mit neunzehn Jahren Verspätung auf die Bühne und erinnert daran, welche elementare anarchistische Wut diesen Schriftsteller einmal vorangetrieben hat: eine Not, die bürgerlichen Ordnungen, in die er hineingeboren war, aufzusprengen und die eigene Existenz aus diesen Ordnungen herauszuschneiden.

FILMTIPS

Im Fernsehen: „Unsere liebe Frau von den Türken“ (Italien 1968), von Carmelo Bene (West III am 17. April). Ein.Film von Autor, Regisseur und Produzent Carmelo Bene mit ihm als Hauptdarsteller über ihn, sein Hauptproblem.

Kunstkalender

Das Altonaer Museum hat sich unbeschadet seiner lokalen und heimatlichen Aufgabe dank Gerhard Wietek auf ein überregionales Sondergebiet spezialisiert: Kunst des deutschen Expressionismus.

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