Von Armin Ganser

Camping entwickelt sich allmählich zu einer neuen Schrebergartenbewegung. Von Jahr zu Jahr machen sich immer mehr „Dauercamper“ auf den deutschen Campingplätzen breit. Auf manchen großen Camps an Nord- und Ostsee sind bereits 70 Prozent der Stellflächen „dauerbelegt“; auf den rund 1200 deutschen Campingplätzen sind es durchschnittlich 20 Prozent.

Das ist eine bedenkliche Entwicklung, die sich in doppelter Hinsicht nachteilig auf den Campingtourismus auswirken kann: Erstens wird durch die räumliche Trennung der Camper in Dauergäste und Touristen gerade jene Form spontaner Kontakte erschwert, die manche Urlauber auf der „grünen Wiese“ besonders schätzen, und zweitens nehmen die Dauergäste auf nicht wenigen Camps die schönsten Standplätze mit Meeres-, See- oder Gebirgsblick ein. Da Dauercamper mit ihren kontinuierlichen Gebührenzahlungen in der Kalkulation vieler Plätze eine wichtige Rolle einnehmen, glauben manche Platzbesitzer, sie dafür entsprechend belohnen zu müssen. Andere Platzwarte weisen den Touristen, die nur ein paar Wochen bleiben, lieber „weiter hinten“ Plätze an und argumentieren, der An- und Abreisebetrieb störe die Ruhe; diese wackeren Platzbetreuer verwechseln allerdings ein Camp mit einem Sanatorium.

Ohne einen Campingführer (Deutscher Camping Club oder ADAC) und den darin enthaltenen Angaben über die dauerbelegten Stellflächen kann heute in der Bundesrepublik kaum ein Zelt- oder Wohnwagenbesitzer einen problemlosen Urlaub planen. Während etwa in Italien oder Spanien Voranmeldungen so gut wie sinnlos sind, müssen sie heute für deutsche Campingplätze, auf denen man länger und angenehm verweilen möchte, nachdrücklich empfohlen werden. Immer mehr Plätze sind ganzjährig geöffnet: Schon jetzt können für die Hauptsaison Standflächen reserviert werden.

Wer neue Plätze aufsucht, darf in der Bundesrepublik damit rechnen, von Massenbetrieb verschont zu bleiben. Im Gegensatz zum Ausland dauert es bei uns häufig zwei bis drei Jahre, bis ein hervorragend eingerichteter neuer Platz bekannt ist. Allerdings bieten neue Plätze manchmal im ersten Jahr ihres Bestehens noch nicht alle Annehmlichkeiten, die der Prospekt verspricht,, wenngleich sofort die vollen. Gebühren kassiert werden.

Natürlich sind die Platzgebühren 1971 wieder angehoben worden, auf die Gesamtaufenthaltskosten bezogen um 15 Prozent. So zahlt eine Familie beispielsweise zwischen – zehn und elf Mark pro Nacht einschließlich Kurtaxe. Normalerweise bezahlt ein Erwachsener pro Tag auf einem deutschen Campingplatz zwischen einer Mark und 2,50 Mark, Kinder und Jugendliche zwischen 50 Pfennig und einer Mark. Der Stellplatz allein kostet zwischen 1,50 Mark und vier Mark, bei gesonderter Berechnung das Auto zwischen einer Mark und zwei Mark, das Zelt zwischen 1,50 Mark und 3,50 Mark, der Caravan zwischen 1,50 Mark und vier Mark. Für Standflächen über 60 qm oder übergroße Vorzelte beziehungsweise Zellenbauten werden mancherorts gesonderte Gebühren berechnet.

Die Ermäßigungen für Automobil- oder Campingclubmitglieder wurden auf der Mehrzahl der Plätze von bisher durchschnittlich 20 auf nur noch zehn Prozent heruntergesetzt. Das reicht immer noch für einen besonderen Hinweis in den Campingführern. Wenn ein Ermäßigungssatz aber nur noch symbolischen Charakter hat, sollten die Verbände prüfen, ob sie weiter durch Angaben über Mitgliederermäßigungen kostenlos Reklame für Plätze machen wollen, die es anscheinend nicht mehr nötig haben.