DIE ZEIT

Der Drache regt sich

Wenn Peking sich nun wirklich aus seiner Selbstisolierung lösen und auf die weltpolitische Bühne zurückkehren will, so hätten die Altmeister des diplomatischen Spieles dafür keine intelligentere Methode und kein wirkungsvolleres Mittel ersinnen können als die Idee mit den Ping-pong-Meisterschaften.

Luther-Streit

Hamburgs Bischof Wölber, Vorsitzender der Vereinigten Lutherischen Kirche Deutschlands, wurde zornig. Anläßlich der Aufführung des Stücks „Martin Luther und Thomas Münzer oder Die Einführung der Buchhaltung“ im Thalia-Theater verkündete er: „Es gibt keine Luther-Legende, und sie braucht auch nicht abgebaut zu werden!“ Nachdem er die „Umfunktionierung“ – der Reformation zu einem „gesellschaftsrevolutionären Vorgang“ gegeißelt hatte, postulierte er: „Luther ist nur zu begreifen aus der religiösen Wurzel.

Noch Pferdefüße

Zur Schönfärberei besteht kein Anlaß, aber auch nicht zur Schwarzmalerei. Die sowjetischen Berlin-Vorstellungen, von der Warschauer Regierungszeitung Zycie Warszawy unter fadenscheiniger Berufung auf "glaubwürdige politische Kreise in Brüssel" veröffentlicht, machen deutlich, daß die weiteren Verhandlungen zäh und zeitraubend sein werden.

Unfein

Rainer Barzel war in der letzten Woche vom Glück nicht begünstigt. Erst verärgerte er seine amerikanischen Gastgeber, weil er Auszüge seiner Rede im „Council on Foreign Relations“ entgegen den Gepflogenheiten der Presse übergab; der Inhalt – eine in dieser Härte bisher nie ausgesprochene Absage an die außenpolitische Gemeinsamkeit von Opposition und Bundesregierung – gab Sprechern des Regierungslagers die Möglichkeit festzustellen, der Ort für solche Erklärungen sei der Bundestag.

Atempause für Umsiedler

Der niedersächsische Minister für Bundesangelegenheiten hat dem Lagerpersonal des Grenzdurchgangslagers Friedland verboten, unter den neuankommenden Polen-Aussiedlern Mitgliederwerbung für Vertriebenenverbände zu betreiben.

Wo die Flucht tödlich endet...

Bei Harpe sieht die Staatsgrenze West der DDR noch friedlich aus: Kein Mensch weit und breit, auch die Wachttürme liegen verlassen da.

ZEITSPIEGEL

Im Auswärtigen Amt wird zur Zeit geprüft, wie sich die gesetzlichen Hürden überwinden lassen, die dem Wunsch von Frau Scheel entgegenstehen, einen Indianerjungen aus Bolivien zu adoptieren.

Wird der Rentner zum Retter?

Argentiniens Präsident Lanusse gab sich gelassen: „Soll er doch zurückkehren! Wenn er erst einmal zwei Monate wie ein normaler Bürger durch Buenos Aires spaziert ist, hat der Spuk ein Ende.

Bonn bleibt kühl und gelassen

Es ist kaum zwei Wochen her, daß der stellvertretende DDR-Außenminister Stibi verkünden konnte, Chile sei der 28. Staat gewesen, der die DDR völkerrechtlich anerkannt habe.

Die Saat der Hetzer

Zwischen die dritte und vierte Rippe wollte der Gärtner Karsten Eggert den Dolch „pflanzen“. So genau war die „Zielvorstellung“ des Attentäters, der – nach seinem eigenen Geständnis – den Bundeskanzler oder den Bundespräsidenten „durch einen gut gezielten Stich“ umbringen wollte.

Wolfganz Ebert:: Chinesische Spielereien

Während man in Moskau aufgestört durch die Ping-Pong-Schläge von Peking, erwägt, im Gegenzug eine amerikanische Fußballmannschaft nach Moskau einzuladen, haben die Amerikaner die Chinesen kurzerhand zum Tennis nach Forest Hills eingeladen, obwohl es manchen Falken drüben lieber wäre, man würde mit ihnen vorsichtshalber erst mal Baseball spielen.

Auf des Messers Schneide

Vor der Landtagswahl in Schleswig-Holstein: Über den Sieger entscheidet die FDP

Ein Traum zerstört

Westpakistans Regierungstruppen sind dabei, die Landkarte von Bangla Desh aufzurollen. Sie haben den ostpakistanischen Traum von Unabhängigkeit und Freiheit vorläufig erst einmal zunichte gemacht.

Fern von den Massengräbern

General Yahya Khan, Staatspräsident von Pakistan und Oberbefehlshaber der pakistanischen Armee, ist ein guter Mensch und ein intelligenter Soldat.

Nixon: Kein Abzugstermin

Die amerikanische Diskussion um Vietnam hat sich – auch wegen der wieder beginnenden Demonstrationen – erneut verschärft. Präsident Nixon und Verteidigungsminister Laird bekräftigten in der letzten Woche unter dem Protest der „Tauben“, ihr Ziel sei ein Ende des Engagements; auf einen festen Termin könne sich Washington aber nicht festlegen.

Ostpakistan: Widerstand erlischt

Der Bruderkrieg in Ostpakistan, der nach indischen und ostbengalischen Vorwürfen in einen „nackten Völkermord“ ausgeartet ist, geht seinem Ende zu.

Ceylon: Sieg der Regierung

Nach zwei Wochen heftiger Kämpfe haben Ceylons Regierungstruppen die aufständischen Rebellen, die sich „Che Guevaristen“ nennen, praktisch besiegt.

Österreich wählt seinen Präsidenten

„Rüstiger Siebziger ersucht um Verlängerung seiner Arbeitsbewilligung. Für gutes Betriebsklima wird garantiert. Demokratische Gesinnung gerichtlich bestätigt.

Rückzug aus Algier

Paris hat in Algier mitteilen lassen, die Zeit der „privilegierten Beziehungen“ sei nun vorbei. Frankreich und Algerien werden sich in Zukunft zwar „nicht als Feinde betrachten, aber auch nicht mehr als Brüder“.

Giaps Theorie

Nach den jüngsten Erklärungen Präsident Nixons muß sich General Giap, der Feldherr der indochinesischen "Befreiungsstreitkräfte", noch auf eine längere Kriegsdauer einstellen.

Nixons Scheitern

In Washington wird wieder für den Frieden marschiert und demonstriert. Als erste gingen schon vor Ostern die Farbigen auf die Straße, zwar weniger als hundert, aber doch nach langer Absonderung von dem Streit um den „Krieg des weißen Mannes“ wieder aktiv dabei.

Affäre Kalinowski: Mit Götz gegen Genossen

Sand knirscht im früher gut geölten Gladbecker Rathausgetriebe, seit eine Grundstücksaffäre Kreise zieht. Auf der Strafbank sitzt Gladbecks bisheriger SPD-Oberbürgermeister Günter Kalinowski (49), dem Bodenspekulation im großen Stil vorgeworfen wird.

Weiß-blau-echt

Dem Parteigerangel um die Macht am Münchner Marienplatz wollte der konservative Münchner Merkur ein Ende setzen: Am Karfreitag fragte der Merkur seine Leser: „Wer soll Nachfolger von OB Vogel werden?“, präsentierte vier Kandidaten auf einem Stimmzettel – je zwei von SPD und CDU – und drängte die Zaudernden zwischen Schwabing und Sendling: „Machen Sie Ihr Kreuzchen.

„Die Liste ist lang“

Hinzu kommt, daß die Beschuldigte eine nicht nur kritische, sondern ausgesprochen negative Einstellung zur deutschen Justiz hat.

DKP-Aktionswoche: Schleife für Teddy

Das Neue Deutschland nannte ihn eine „Kampfdemonstration“. Tatsächlich aber glich der Marsch von etwa 5000 Menschen im stillen Hamburger Stadtteil Eppendorf eher dem Spaziergang einer Großfamilie, und die geschulterten Plakate mit den Parolen erinnerten an Regenschirme mit Trauerbändern.

Die Banklady schlug zu

Die junge Frau mit der nußbraunen Perücke schlug ihren Midimantel aus weißem Knautschlack zurück und sprang mit einem Satz auf den Banktresen.

„Sei glücklich“

Eigentlich war die Stadt Hamburg in puncto Gastarbeiter mit ihrem Latein noch gar nicht am Ende. Aber dann kümmerte sie sich ausgiebig mit einem „Gastarbeiter-Report“ um Türkisches, Griechisches, Jugoslawisches, Spanisches, Italienisches – und siehe da, es kam Wohlstands-Klartext zutage: „Wirtschaftliche, soziale und menschliche Gründe erfordern eine alsbaldige Eingliederung ausländischer Arbeitnehmer in Gesellschaft und Arbeitswelt“, heißt es in einem Grundsatzprogramm, und weiter: „Die Eingliederung fördert den wirtschaftlichen Effekt und kommt allen zugute.

Entfremdete Entfremdung

Es sind die entfremdeten Wähler, die glauben, daß sie von Kräften manipuliert und ausgebeutet werden, die sie nicht beseitigen oder auch nur beeinflussen können.

Sprache der Neuen Linken

1924, im Todesjahr Lenins, druckte die von Majakowski herausgegebene Zeitschrift Lef (Abk. für „linke Front“) sechs Aufsätze über die Sprache Lenins.

Lange Strecke

„Glücksspirale 1971“ heißt die Lotterie, deren Überschuß in die Kasse des Organisationskomitees für die Olympischen Spiele 1972 fließen wird.

FILMTIPS

„Fantasia“, von Walt Disney. Nach der erfolgreichen Wiederaufführung im Münchner „Eldorado“ läuft dieser Trickfilm-Klassiker nun in mehreren Städten.

Bildungsbudget

Als der Bildungsrat im April 1970 seinen Strukturplan für das Schulwesen vorlegte, stellte er ebenso lapidar wie entschieden fest: „Die vorgeschlagenen Reformen zwingen dazu, entweder die Steuern zu erhöhen oder das Wachstum der öffentlichen Ausgaben auf anderen Gebieten zu vermindern.

Die armen Leute von Bremen

Vor dem geschlossenen Vorhang stehen ein paar Koffer, billigste Fabrikate aus Pappe, zerbeult und abgewetzt; darauf, im Nickelrahmen, das Photo eines Jungen, ein Jahr ist er vielleicht alt, sauber und glatt gescheitelt, Strampelhöschen, glückliches Lächeln; rechts an der Rampe ein Notenpult, dunkelblau gestrichen mit weißen Flecken.

P.E.N. und Pornographie

Sie hatten nur den kleinen Saal der Meistersingerhalle gemietet. Denn im Grunde war sich der Vorstand des P.E.N.-Clubs gar nicht sicher, ob a) Podiumsdiskussionen überhaupt und b) das Thema Pornographie heute noch gehen, wieviele Leute also an einem Freitagabend zu einer Diskussion über Pornographie kommen würden.

Was ist Pornographie?

Überlegungen zur Expertenbefragung vor dem Sonderausschuß für die Strafrechtsreform des Bundestages

ZEITMOSAIK

Weiß der Himmel, für wen sie das machen. Sicher ist jedenfalls, daß der irakische Informationsminister Chafik el Kamali extra nach Lissabon gefahren ist, um bei der Gulbenkian-Stiftung Geld für sein Prestige-Projekt locker zu machen: die Rekonstruierung der Hängenden Gärten der Semiramis in Babylon.

Ein paar schöne Stunden

Ähnlichkeit hat das mit folgendem: in irgendeiner Annonce wird angepriesen „Paris bei Nacht“. Versprochen werden: „gewagte und intime Aufnahmen, wie sie bisher nie zu sehen waren.

Wer macht wo die Kultur? (IV): Sand im Getriebe

Im Dezember 1968 entschlossen sich die Soester Ratsherren zur Flucht nach vorn. Der Kulturausschuß der politisch eher konservativen Stadt krempelte den bis dato recht unauffälligen Morgner-Preis, mit dem zur Erinnerung an den im Ersten Weltkrieg gefallenen Soester Expressionisten Wilhelm Morgner im Turnus von zwei Jahren verdienstvolle Maler aus dem Land der roten Erde bedacht worden waren, in einen nicht länger an die Landesgrenzen und auch nicht an Leinwand und Öl gebundenen „Preis für experimentelle Kunst“ um.

Kunstkalender

Auch diesmal werden eine Menge schöner alter Zeichnungen angeboten, auf sehr unterschiedlichem Preisniveau, ein Abraham Bloemaert für 1800 Mark, eine Berglandschaft von Hackert für 1400 Mark, eine große Pinselzeichnung von Marco Ricci ist auf 3750 Mark geschätzt.

DIE NEUE SCHALLPLATTE

Orgel-Anthologien sind heute Mode-Artikel geworden. Diese Kassette verdient besondere Beachtung: Der in Amerika lebende Engländer E.

KRITIK IN KÜRZE

„Auf höchster Ebene“, Roman von Arthur Hailey. Der Amerikaner Arthur Hailey („Airport“ und „Hotel“) stellt seine Bestseller nach einem anscheinend so gut wie sicheren Verfahren her.

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