DIE ZEIT

Kalter Wind aus Kiel

Es gibt nichts daran zu deuteln: Die CDU hatbei den Landtagswahlen in Schleswig-Holstein ihren größten Erfolg seit der Bildung der sozialliberalen Koalition in Bonn errungen.

Tage der Ohnmacht

Wohl noch in keinem Jahr ist die Hannover-Messe ihrem Ruf, Orakel der Konjunktur zu sein, so wenig gerecht worden wie 1971. Zwar sind die Geschäfte auf der größten Industrieschau der Welt insgesamt nicht schlecht gelaufen, in manchen Bereichen sogar besser als erwartet – aber dennoch wußte keiner, wohin die Reise geht.

Spektakel

Wieder einmal haben es die Sowjets geschafft, der Welt einen Vorsprung in der Weltraumtechnik zu suggerieren. Als am letzten Freitag das zehnte Raumschiff der Sojus-Serie gestartet war und sich die drei Kosmonauten anschickten, ihr Gefährt an den vier Tage zuvor auf eine Erdumlaufbahn geschickten Kunstmond „Saljut“ zu koppeln, meinten die Spekulanten es genau zu wissen: Die Russen beginnen mit dem Bau einer Raumstation, eines fliegenden Observatoriums, wie es die NASA erst für 1973 geplant hat.

Überreizt

Zum dritten Mal seit 1968 streiken die Flugsicherungslotsen in der Bundesrepublik. Zum dritten Mal tragen sie ihre Querelen mit dem Verkehrsminister um bessere Besoldung, längere Pausen und frühere Pension auf dem Rücken Tausender von Flugpassagieren aus.

Linkisch

Gerade dem Kölner Byzantinisten Rubin waren Kremp und seine Springer-Kollegen von Welt am Sonntag und Bild am Sonntag ins Netz geraten.

ZEITSPIEGEL

Am 17. Mai wird zum erstenmal eine Bundeswehrmaschine in ein Land des Ostblocks fliegen. Sie bringt Bundespräsident Heinemann zu seinem Staatsbesuch nach Rumänien.

Der Mann, der nichts wissen wollte

Immer, wenn Westwind wehte, von der See her, zogen Schwaden üblen Geruchs durch die Stadt. Menschen auf den Straßen mußten sich übergeben.

Wolfgang Ebert:: Geheimgespräche

An diesem Freitag treffen sich die beiden Staatssekretäre Bahr und Kohl, um über Berlin zu sprechen. Worüber sie allerdings sprechen, darüber erfährt man so gut wie nichts – gäbe es nicht die Mini-Spione.

Indiskretionen aus Kapstadt

Der neue Staatschef von Uganda, General Amin, polterte los: "Ausgerechnet Kaunda, der sein Maul gegenüber Südafrika immer wieder aufreißt, hat während der drei letzten Jahre geheime Kontakte mit dem südafrikanischen Premier Vorster gehabt.

Insel im Sturm

Ceylon, das war bis vor kurzem das "Teeparadies" oder ein weniger paradiesisches Experimentierfeld für sozialistische Ideen.

Triumph krönt die CDU

Aber die Wahlbilanz der Bonner Koalition ist vergleichsweise noch immer positiv

Leidige Nachwahl

Von den Wahlen zum schleswig-holsteinischen Landtag war der Wahlkreis Husum-Land ausgeschlossen. Der sozialdemokratische Kandidat war wenige Tage zuvor gestorben.

Junior als Präsident

Seinen Plan, sich als François I. zum Kaiser von Haiti krönen zu lassen, mußte „Papa Doc“ vor sechs Jahren aufgeben; die Spannungen mit der katholischen Kirche waren damals zu groß.

Der verhaßte Krieg

Auf die Stufen des Kapitols warfen die Vietnam-Veteranen ihre Kriegsorden. Auszeichnungen, die ihnen für Tapferkeit vor dem Feind verliehen wurden, gelten ihnen nur mehr als verächtliche „Symbole der Schande und der Unmenschlichkeit“.

Österreich: Jonas siegte klar

Bei den Präsidentenwahlen in Österreich ist der bisherige Bundespräsident Franz Jonas am Sonntag für weitere sechs Jahre in seinem Amt bestätigt worden.

Nahost-Konflikt: Neue Initiative

Der amerikanische Außenminister Rogers bemüht sich, den toten Punkt in den Nahostgesprächen zu überwinden. Am Sonntag trat er eine zweiwöchige Reise an, die ihn über London und Ankara in fünf beteiligte Länder – Israel, Ägypten, Jordanien, Saudi-Arabien und den Libanon – führt.

Mehrheit für die CDU

Das vielfach vorausgesagte Kopf-an-Kopf-Rennen blieb aus: Bei den schleswig-holsteinischen Landtagswahlen errang die CDU vielmehr zum erstenmal seit zwanzig Jahren in diesem Land die absolute Mehrheit und ließ die SPD weit hinter sich.

Chaban-Delmas: Tadel abgelehnt

Frankreich will dem Beitritt Großbritanniens und anderer Länder zur Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft keine Hindernisse in den Weg legen.

Dokumente der ZEIT

„Die politische Praxis der Maoisten zeigt, daß sie leicht Freunde verraten und schnell mit jenen Freundschaft schließen, die sie eben erst Feinde nannten .

SALT: ABM vorgezogen

Bei den Wiener Verhandlungen über eine Begrenzung der strategischen Rüstung (SALT) haben die USA und die Sowjetunion beschlossen, die Beratungen der Experten zu intensivieren.

Berlin-Regelung: Weiter Differenzen

Das Bundeskabinett ist nach eingehenden Beratungen über die Ost- und Berlinpolitik zu dem Ergebnis gekommen, daß das am 26. März vom sowjetischen Botschafter in Ostberlin, Abrassimow, vorgelegte Berlinpapier in einzelnen praktischen Fragen Verbesserungen enthält.

Friede durch Raketen

Ein Vierteljahrhundert lang herrschte in der internationalen Diplomatie das Konzept des Kalten Krieges. Die Menschheit war in zwei Lager gespalten, angeführt von der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten, die völlig unvereinbaren Vorstellungen der besten Weltordnung anhingen.

Halbzeit an der Seine

Zwei Jahre sind seit dem Rücktritt de Gaulles im April 1969 vergangen, und zwei Jahre sind es noch bis zu den nächsten Parlamentswahlen.

Geheimflug nach Schottland

Rudolf Heß lebt noch als einziger Verurteilter des Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozesses im Spandauer Militärgefängnis. Am Mittwoch wurde er 77 Jahre alt.

Die Männer mit den weißen Kragen

Die Geschichte der Arbeiterbewegung ist längst kein wissenschaftliches Neuland mehr. Für die Geschichte ihrer Antipoden, der Unternehmer, gilt dasselbe.

Einer aus Brünings Mannschaft Von Peter-Christian Witt: Konservativer ohne Kompaß

Der Name Joh. Victor Bredt wird auch historisch gebildeten Laien weitgehend unbekannt sein. In der „Historikerzunft“ ist sein Name eher durch ein Gutachten bekanntgeworden, das er für den Untersuchungsausschuß des Reichstages über die Ursachen des deutschen Zusammenbruchs erstattete und das auch heute noch lesenswert ist („Der Deutsche Reichstag im Weltkrieg“, 1926), weniger durch seine eigenständige politische Arbeit im Kaiserreich und in der Weimarer Republik.

Einmal Deutschlands Che Guevara spielen...

Alle, die je über die Autobahnausfahrt Veldensteinerforst bei Pegnitz in das oberfränkische Land fuhren, sind sich einig: Diese Ausfahrt ist die einsamste an Bundesdeutschlands Autobahnen.

Müder Kühn

Bei dem nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Heinz Kühn (59) mehren sich die Symptome einer Amtsmüdigkeit. Dies behauptet nicht nur die Opposition, sondern auch Kritiker in Kühns eigenem Lager.

Ärger mit dem Klein gedruckten: Makler mit Makel

Mit dem Grundgesetz unter dem Arm haben jetzt die Richter der 12. Zivilkammer des Landgerichts Frankfurt/Main jenen Maklern gehörig die Leviten gelesen, die versuchen, „im Rahmen der staatlich geförderten Wohnungspolitik und Eigentumsbildung ins Geschäft zu kommen“.

Ein „klassisches“ Kidnapping: Keine Modepuppe

Wenn der „Fall Renate Putz“ eines Tages als Fernsehkrimi ins Haus geliefert wird, werden anschließend die Kritiker gewiß sagen, da habe man ja nun wirklich allzu dick Menschliches, Unmenschliches und Ungereimtes zusammengetragen – bis hin zur Trauerfeier für das Opfer, zu der durch einen Hintereingang des Friedhofs (natürlich) ein Mercedes mit den trauernden Eltern rollte und in der Aussegnungshalle dennoch kein Beethoven, sondern das Trompetensolo „Il Silenzio“ erklang.

FILMTIPS

„Deep End“, von Jerzy Skolimowski. Psychische Regungen bruchlos in physische Aktionen umgesetzt, das macht die faszinierende Schönheit der Filme Skolimowskis aus.

Steffen im Fernsehen

... und hatte auch im Fernsehen genau so zu sein, dieser Steffen, wie ihn die Springerpresse haben will. Das begann am Donnerstag, als Rüdiger Altmann in der Appelschen Runde den Roten als Abweichler der Rosanen festzulegen versuchte; das setzte sich am Sonntag fort, als man nach der geschlagenen Schlacht die Kandidaten befragte.

Jim-Dine-Retrospektive in Düsseldorf: Im Zeichen des Regenbogens

Es ist gewiß kein Zufall, daß Jim Dine, der zur ersten Stunde der US-Pop-Art dazugehörte (also zum Beispiel an den New Yorker Happenings von Allan Kaprow in den Jahren 1959/60 beteiligt war), erst mit der zweiten Welle bei uns ankommt: Im vergangenen Jahr wurde sein komplettes graphisches Oeuvre in Berlin und Hannover gezeigt, jetzt bringt die Düsseldorfer Kunsthalle, die sich zum klassischen Premierenort von Retrospektiven der Moderne gemausert hat, eine erste Gesamtübersicht der Gemälde, Aquarelle, Objekte, Zeichnungen und graphischen Arbeiten.

Fernsehen: Abschied von Sylt

Borgelts sehr melancholischer und eindrucksvoller Film sollte all jenen vorgeführt werden, die allzu abstrakt über „Umweltschutz“ nachdenken: als konkretes Beispiel dafür, wie vielen die „Umwelt“ in einem kapitalistischen System vernichtet werden kann durch das Profitstreben einiger weniger.

DIE NEUE SCHALLPLATTE

Ein ganz außergewöhnliches Debüt-Album, das nur leider nicht besonders gut produziert wurde. Doch Mike Pattos Gruppe ist eine der ganz wenigen, die das permanente Gerücht von einer möglichen Fusion von Jazz und Rock bestätigen, vermutlich gerade deswegen, weil sie’s nicht beweisen will.

Sesame Street

Plötzlich ist die Herablassung weg. Plötzlich ist das Kinderfernsehen aktuell. Plötzlich ist es eine Binsenweisheit, daß es zu wenig kinderspezifische Programme gibt und unter den wenigen zu viele schlechte.

Es geht weiter in Bremen

In der ersten hellen Aufregung wollten die Bremer Universitätsgründer ihr Begräbnis bestellen. Die Abstriche, die die Landesregierung am Dienstag vergangener Woche an ihrer ersten Berufungsliste vorgenommen hatte, schienen ihnen sowohl – für die Wahrung ihres Reformkonzeptes als auch aus Gründen der Ehre unerträglich zu sein.

Das eitle Drum und Dran der Oper

Nach dreiundzwanzig Milizen rief jemand im Publikum nach Hgintje, und er meinte es durchaus nicht spaßig. Denn zu dieser Zeit wurde am Sonntagabend in der Hamburgischen Staatsoper ein Teil des Publikums echt böse.

Kunstkalender

Dreißig Jahre danach, nach dem Ende des spanischen Bürgerkriegs, zieht ein Spanier im Exil Bilanz der dreißig Jahre Franco-Regime in dreißig Bildern.

ZEITMOSAIK

Ist Walt Disneys Mickymaus eine „Person der Zeitgeschichte“? Das ist eine ernste Frage, die nunmehr mit Hilfe einer Verfassungsbeschwerde beantwortet werden soll.

Wolf Biermanns „Der Dra-Dra in München: Politik als Spiegelfechterei

Wenn das Stück nicht von Wolf Biermann geschrieben wäre – hätte es dann je das Licht einer Bühne erblickt? Man muß das fragen, weil die Uraufführung des „Dra-Dra“ an den Münchner Kammerspielen den Verdacht, nur ein populär-politisches Image, der Hautgout um den Sänger zwischen allen Stühlen verhelfe dem Stück auf die Bühne, nicht ausräumen kann.

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