ARD, Sonntag, 2. Mai: „Kressin stoppt den Nordexpreß“, von Wolf gang Menge

Weil er nicht mit einer, nein, mit zwei verheirateten Frauen, die nicht einmal nackt, nein, leichtgeschürzt waren, sich im Lotterbett herumgelümmelt hatte, deshalb zunächst ist Kressin berühmt und berüchtigt geworden. Jene Szene aus dem Krimi „Kressin und der tote Mann im Fleet“ hat mittlerweile etwas Sagenhaftes angenommen. Sie wird, Monate danach, immer noch beschworen, sobald von Kressin geschrieben wird; und von Kressin alias Sieghardt Rupp wird abermals Böses berichtet.

Lag und liegt er falsch? Kressin, der Zollfahnder, der Spezialist im Dschungel der Wirtschaftsverbrechen, das ist eine faustfeste Rolle, wie sie deutsche Fernsehkrimis bislang nicht zu bieten hatten. Der Autor, Wolfgang Menge, hat den Krimi mit Kressin zu dem gemacht, was bei aller Spannung auch Vergnügen bereitet: zum Kriminalmärchen mitten in unserem Alltag. Gesellschaftskritisches schwingt mit. Ironie ist dabei. Harter Untat steht lässige Heldentat gegenüber. Die Story ist zuweilen haarsträubend, sprengt aber nie den Rahmen des Gerade-noch-Möglichen. Welche Rolle in solchem Kriminalmärchen die Hauptrolle spielt und wie abhängig die Geschichte vom Hauptdarsteller ist, bedarf keines weiteren Satzes. Also ist Sieghardt Rupp der richtige Kressin?

Fehlbesetzungen in Fernsehstücken sind ein populäres Streitthema. Im „Nordexpreß“, zum Beispiel, saß auch Uta Levka, ein mimisches Nichts, das auf dem Bildschirm nichts zu suchen hat; es sei denn, sie stelle einen Pelzmantelständer dar. Sieghardt Rupp, um es klipp und klar zu sagen, liegt, sitzt, boxt, schießt, quatscht richtig. Kressin-Autor Wolfgang Menge mag sich den Kressin-Schauspieler anders vorgestellt und einen Horror vor Rudolf-Prack-Schäkerei haben; er würde irren, wenn er dem ARD-Koordinator für die „Tatort“-Reihe, Gunther Witte, zustimmen wollte, daß dem unanständig anständigen Lümmel Kressin nur ein kurzes Fernsehlieben und -leben beschieden sein sollte.

Sieghardt Rupp, der ein wenig ölig begann, mausert sich zu einem „007 vom Zoll“, der schön frei von allem ist, was man gemeinhin unter „typisch deutsch“ pauschaliert. Wie er nun den Nordexpreß gestoppt hat – ein Stop seiner Detektivkarriere kann das gewiß nicht gewesen sein; sogar beim Zoll, hört man, ist man mit ihm höchst zufrieden. Alexander Rost