Plötzlich schlägt Moskau wieder mit Macht auf die Pauke der Europäischen Sicherheitskonferenz. Gleichzeitig versuchen die Sowjets aufs neue, Keile zwischen die westlichen Staaten zu treiben. In einem geharnischten Artikel teilte die Prawda scharfe Hiebe gegen „revanchelüsterne“ und „europafremde“ Entspannungsgegner in Bonn, Washington und London aus. Auffallend gute Noten dagegen erhielten die Franzosen.

Hinter der neuen polemischen Aufdringlichkeit des Kremls in Sachen Sicherheitskonferenz stecken wohl alte sowjetische Ängste vor einer Vertiefung der westeuropäischen Integration und einer EWG-Erweiterung. Nicht anders ist der Satz der Prawda zu deuten, der die Mitglieder der britischen Regierung als Gegner der europäischen Entspannung und Sicherheit hinstellt, „weil sie kurzsichtig auf einen Beitritt zum Gemeinsamen Markt setzen“. Auch die abermalige Beweihräucherung der Freundschaft zwischen Moskau und Paris läßt darauf schließen – die Freundschaft zwischen „zwei europäischen Weltmächten“, wie die Prawda schmeichelnd schrieb. Dabei mag der jüngste Moskau-Besuch des französischen Außenministers Maurice Schumann sowjetische Hoffnungen auf eine Wiederbelebung der querschlagenden Pariser Europapolitik neu genährt haben.

Derlei sowjetische Bemühungen, jede Erhärtung der westeuropäischen Integration durch gesamteuropäische Avancen abzufangen und aufzuweichen, sind nicht neu. Sie gehören, seit 1954 zum Standardrepertoire der Moskauer Diplomatie. Wenn die Sowjets Sicherheit für Europa sagen, meinen sie nur allzu oft Sicherheit vor einem zusammenrückenden und sich integrierenden Westeuropa.

In Moskaus Status-quo-Kalkül bleibt die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft mit ihrer Leistungs- und Ausstrahlungskraft und ihrem politischen Entwicklungspotential ein unbequemer Risikofaktor trotz aller gelegentlichen Ansätze, sich mit ihr abzufinden. A. K.