Die staatlichen Abschlußprüfungen für Fernkurse sollen erleichtert werden. Künftig wird sich jeder Kandidat Land, Ort und Schule aussuchen können, an der er seine Prüfung ablegen will. Das gilt vor allem für Haupt- oder Fachschulabschluß, Fachschulreife und Abitur. Mehr als bisher sollen auch Spezialkenntnisse der Kandidaten in Examen berücksichtigt werden. Wer nicht im ersten Anlauf besteht, braucht im übrigen nicht zu verzweifeln: Jede Prüfung darf nach den Plänen, die der Kultusministerkonferenz vorliegen, zweimal wiederholt werden.

Einen praxisbezogenen Studiengang für Chemiker hat vor einem Semester die Ingenieurschule Aalen eingerichtet. Nach sechs Semestern können die Studenten ihre Ausbildung als Chemie-Ingenieur abschließen. Der Bedarf an Diplom-Chemikern ist zwar nach wie vor groß, doch verlangt die Chemische Industrie Mitarbeiter, die ohne große theoretische Anforderungen in der industriellen Produktion eingesetzt werden können. Wenn in Aalen gute Erfahrungen gemacht werden, wollen auch andere Ingenieur- und Fachhochschulen diesen Studiengang übernehmen.

Zu einem begehrten Qualifikationsnachweis ist der Elektronikpaß geworden. Seit seiner Einführung im Herbst 1969 wurde er von über 10 000 Kandidaten erworben. Das Institut für Handwerkstechnik an der Technischen Universität Hannover hat verbindliche Richtlinien für die rund 50 Schulen erarbeitet, um die Qualität des Passes zu garantieren. Der Paß ist eine Sammlung von Nachweisen über die Fortbildungsmaßnahmen auf dem Gebiet der Elektronik. Sein Wert wächst deshalb mit der Zahl der besuchten Kurse und bestandenen Prüfungen.

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Nach den Vorstellungen der Bundesregierung soll im Jahre 1980 die Hälfte der Jugendlichen eines Jahrgangs das Abitur ablegen. Da die Hochschulen der Bundesrepublik ohnehin schon überfüllt sind, muß nach attraktiven Ausbildungsmöglichkeiten für Abiturienten gesucht werden. Solche Berufe sind zum Beispiel der Industriekaufmann, der Mathematisch-Technische Assistent und der Datenverarbeitungskaufmann. Einige Großbetriebe haben bereits derartige Ausbildungsgänge eingerichtet. So stellt Bayer in diesem Jahr mehr als 100 Abiturienten ein.