Über allen Berlin-Gipfeln herrscht derzeit Ruh. Die Gespräche zwischen den Staatssekretären Bahr und Kohl quälen sich mit immer länger werdenden Zwischenräumen am Kernproblem vorbei, bis die vier Mächte sich geeinigt haben, desgleichen die Passierscheingespräche zwischen den Unterhändlern Müller und Kohrt. Die Vier-Mächte-Zusammenkünfte aber lassen Fortschritte, wenn überhaupt, nur im Schneckentempo erkennen.

Anfang dieser Woche haben sich die Vertreter der drei Westalliierten und der Bundesrepublik in London getroffen, um Zwischenbilanz zu ziehen und die weitere Linie festzulegen. Sie wollten vor allem die Möglichkeit prüfen, aus dem östlichen und dem westlichen Verhandlungspapier die Rechtspositionen herauszustreichen, die doch keine Aussicht auf Vereinbarkeit eröffnen, und die sachlichen Regelungen in den Vordergrund zu rücken, über die ja die Ansichten nicht soweit auseinandergehen. Ein Prawda-Hinweis der vorigen Woche, wonach die Zeit reif sei, um zu praktischen Lösungen zu gelangen, ist mindestens in Bonn so ausgelegt worden, als wären die Sowjets einer Abtrennung der Statusfragen von den Sachfragen nicht abgeneigt.

In London ging es darum, die Chancen eines solchen Verfahrens ebenso auszuloten wie die Risiken, die es birgt. Eine Einigung der westlichen Verbündeten könnte neue Bewegung in die festgefahrenen Berlin-Gespräche bringen. ts