Der Bürgerkrieg in Ostpakistan ist beendet. 70 000 westpakistanische Soldaten kontrollieren die Städte und den größten Teil der ländlichen Gebiete. Aber sie haben durch ihr gewaltsames Vorgehen gegen die Bevölkerung Ostpakistans gerade das bewirkt, was sie verhindern sollten: die Teilung des Landes. Ostpakistan ist heute ein von fremden Truppen besetztes Land, die westpakistanischen Behörden und das Militär sind Repräsentanten einer fremden Macht.

Niemand weiß, wie es weitergehen soll. Ein Herd für zukünftige Konflikte sowohl in Pakistan als auch zwischen Indien und dem Nachbarstaat sind die Millionen Bengalen, die über die indische Grenze flüchteten und dort in etwa 150 Lagern untergebracht wurden. Auch jetzt nach Beendigung der militärischen Aktionen in Ostpakistan steigt die Zahl der Flüchtlinge täglich weiter. Der britische Premier Edward Heath sprach in der vergangenen Woche von 30 000 Flüchtlingen pro Tag. Nach neuesten Angaben sollen es mehr als 50 000 sein.

Das dringlichste Problem ist die Ernährung dieser Menschen. In den indischen Grenzgebieten lebt die Bevölkerung ohnehin schon auf dem Existenzminimum. Jetzt droht eine Hungerkatastrophe. Nach indischen Berichten müßten für die Ernährung der geflohenen Ostpakistaner 1,2 Milliarden Dollar im Jahr bereitgestellt werden. Das aber wären 60 Prozent der gesamten Entwicklungshilfe, die Indien von allen westlichen Industrienationen zusammen erhält.

Da die Flüchtlinge nicht nach Ostpakistan zurückkehren wollen, wird das indische Grenzgebiet zu einem Wartesaal des Unfriedens. Der Vergleich mit den Lagern der Palästinenser im Nahen Osten drängt sich auf. Weder wäre ethnisch eine Integration der Ostpakistaner möglich noch deren ausreichende Versorgung mit Wohnraum.

Pakistan selbst steht ebenfalls vor einem finanziellen Fiasko. Schulden von 620 Millionen Mark gegenüber westlichen Staaten konnten im Mai nicht rechtzeitig zurückgezahlt werden. Die USA haben eine Bitte Yahya Khans um rund drei Milliarden Mark abgeschlagen und jede wirtschaftliche Hilfe storniert. In Pakistan droht eine Hungersnot, denn noch sind die Folgen der Flutkatastrophe nicht beseitigt, und während des Bürgerkrieges blieben die meisten Felder unbestellt.

Der Hunger wird die Organisation eines gewaltsamen Widerstandes gegen die Besatzungstruppen zunächst verhindern. Aber General Yahya Khan wird sich auf die im Augenblick herrschende Friedhofsruhe nicht verlassen können. Der Haß der unterworfenen und dem Elend überlassenen Bevölkerung Ostpakistans wird ihn zwingen, große Truppenkontingente dort zu unterhalten. Den Weg zu einer politischen Lösung des Problems hat sich Yahya Khan in diesen Monaten selbst verbaut. K. P.