Von Hans-Dieter Kulhay

Während Experten aller Fachrichtungen nun an Modellen zur Arbeitszeitverkürzung basteln und Soziologen die Probleme der Freizeitvermehrung studieren, gibt es in der Bundesrepublik bereits Erfahrungen mit der von Fachleuten erst für 1980 prognostizierten Vier-Tage-Woche. In der Europäischen H. O. Canfield Co. GmbH in Geretsried-Gartenberg bei München wird seit November 1970 nur noch von Montag bis Donnerstag gearbeitet. Dann ist Wochenende. Die 370 Mitarbeiter des Zubehörunternehmens der Kunststoffbranche kommen wöchentlich auf 37,5 Stunden – bei vollem Lohnausgleich.

Allerdings war die zusätzliche Freizeit keine humanitäre Sozialzuwendung, sondern allein kaufmännisches Kalkül. Canfield-Geschäftsführer Heinz M. Kochems nennt zwei Hauptgründe:

  • In den USA, wo eine Handvoll meist mittelständischer Unternehmen über ausreichende Erfahrungen verfügt, hat man herausgefunden: Durch die Arbeit an nur vier Wochentagen kann die Produktivität stark gesteigert werden. Gleiches gilt für die Arbeitsmoral. Fehlzeiten und Krankenstand lassen sich reduzieren, die Fluktuation wird abgebaut.
  • Der Eurocan fehlten qualifizierte Mitarbeiter, die sich mit den herkömmlichen Methoden der Personalwerbung nicht finden ließen.

Hat sich das erklärte Experiment der Vier-Tage-Woche bis heute, ein halbes Jahr nach der Einführung, bewährt? Die Eurocan-Geschäftsleitung interviewte ihre Mitarbeiter per Fragebogen.

Auf die schlichte Frage „Wie gefällt Ihnen die Vier-Tage-Woche?“ antworteten drei von vier Mitarbeitern „gefällt mir“, einige sogar „gefällt mir sehr“. Gleichgültig oder ohne Meinung waren zwölf Prozent. Ebenso vielen allerdings gefiel die Arbeitszeit nicht, drei Prozent sogar „überhaupt nicht“.

An Vorteilen wurden am häufigsten genannt: längere Freizeit und ein ausgewogeneres Verhältnis Arbeit–Freizeit, Zeit für Besorgungen am freien Freitag, Wochenende für die Familie, konzentriertes Arbeiten, Verbesserung des Betriebsklimas.