Großbritanniens Beitritt zur EWG ist – so Außenminister Scheel – „jetzt in greifbare Nähe“ gerückt. Auf einer Nachtsitzung in Brüssel – der dritten in fünf Tagen – konnten sich die Außenminister der Sechs und der britische Unterhändler Rippon dank eines französischen Entgegenkommens Donnerstag vergangener Woche in drei -wichtigen Punkten einigen:

1. London akzeptiert das von der EWG vorgeschlagene Finanzbeteiligungssystem.

2. Die Übergangszeit für die Anpassung der britischen Landwirtschaft wird fünf Jahre betragen; die Agrarpreise werden in sechs Stufen angepaßt.

3. Die EWG wird die Interessen der Zuckerexporteure im Commonwealth berücksichtigen.

Ungeklärt blieben drei Probleme: die Höhe des britischen Finanzierungsbeitrages in der Übergangszeit, die Behandlung der neuseeländischen Milchprodukte und die Währungsfragen, vor allem die Rolle des Pfundes als Reservewährung.

Zum Finanzierungsbeitrag verlautete inofffiziell, daß die Gemeinschaft London im ersten Jahr nach dem Beitritt einen Rabatt von 60 bis 40 Prozent auf die Abschöpfungseinnahmen einräumen werde. Danach müßte London im ersten Jahr zwischen 7,6 und 11,6 Prozent des EWG-Haushaltes aufbringen. Allerdings soll am Ende der Übergangszeit eine Korrekturphase – London spricht von drei, Paris von höchstens einem Jahr – verhindern, daß der britische Beitrag sprunghaft ansteigt.

Rippon und der französische Außenminister Schumann bezeichneten das Verhandlungsergebnis als einen „wesentlichen Durchbruch“. Er kommt zu einem guten Teil auf das Konto der flexiblen und konzessionsbereiten französischen Haltung. Dabei schlossen Konferenzteilnehmer nicht aus, daß eine französische Verärgerung über die deutsche Haltung in der Währungskrise mitgespielt habe. Politische Kreise in Brüssel erwarten Londons Beitritt jetzt für den 1. Januar 1973.