Von Robert Fair

Einige Experten möchten uns glauben machen, daß eine ständige Überwachung aller Bürger in Zukunft für Verwaltung und Wirtschaft ebenso wichtig sein wird wie die Führung von Bankkonten. Andere Sachverständige hingegen warnen vor der Anwendung solcher staatlichen Datenverarbeitung; sie meinen, es würde die ungeheuerlichste Verschwendung menschlicher und technischer Energie seit Menschengedenken sein.

Wie sähe unser tägliches Leben aus, wenn eine Maschine, die ein unbegrenztes „Gedächtnis“ besitzt, jede unserer wichtigen sozialen Handlungen aufzeichnete, die Wahrheiten, die halben Wahrheiten und die Lügen über uns? Würde es uns belasten, daß irgend jemand, der entsprechend autorisiert ist, zu jedem beliebigen Zeitpunkt nur einen Knopf zu drücken braucht, um einen Auszug unseres Lebenslaufes zu bekommen?

Versetzen wir uns in das Jahr 1981. In Westdeutschland gibt es seit einiger Zeit eine staatliche Datenbank. Millionen kleiner, funktionstüchtiger Sender mit einer Reihe von Knöpfen und Schaltern sind in Gebrauch. Einige, die bequem in eine Hand passen, trägt man bei sich, andere sind in vielen Apparaten von vornherein eingebaut, zum Beispiel in Registrierkassen, Telephonen, Benzinzapfsäulen und ähnlichen technischen Einrichtungen.

Jeder dieser Sender ist mit der staatlichen Datenbank verbunden und füttert die Computer via Mikrowellen mit Informationen über Sie und alle anderen Einwohner der Bundesrepublik. Nehmen wir an, Sie seien der Bundesbürger Fritz Zimmer. Ihnen, Herr Zimmer, gehört die Bundes-Überwachungs-Personalkarte (Buwaka) Nr. zim 54 40 1724d. Sie gehört Ihnen ein Leben lang; und jeder Mensch im Staate besitzt eine solche Karte. Tag für Tag, vom Frühstück bis zum Schlafengehen, wird alles, was ihre Rolle als Bürger betrifft, vom Computer registriert und in Ihrer elektronischen Personalakte verewigt. Die Datenbank zeichnet nicht nur auf, was Sie kaufen; sie zieht aus der Art Ihres Einkaufes auch Schlüsse und notiert wesentliche Veränderungen Ihrer Gewohnheiten. Wenn Sie plötzlich Magermilch statt Vollmilch bei Ihrem Kaufmann bestellen, wird der Computer über einen Fernsehschirm in Ihrer Wohnung nachfragen: „Erklären Sie, warum Sie von Vollmilch auf Magermilch übergegangen sind.“ Sie stöhnen zwar: „Das geht Sie nichts an!“ Aber Sie senden die Antwort, weil das Gesetz Sie dazu verpflichtet. Sie haben sich damit abgefunden, mit einer Buwaka zu leben; denn ohne sie könnten Sie, zum Beispiel, nicht telephonieren: Erst wenn Sie Ihre Karte in den Telephonautomaten gesteckt haben, ertönt das Amtszeichen. Und als Ihre Frau einmal ihre Buwaka verloren hatte, mußte sie sich in die Isolierungskaserne begeben, bis eine neue Karte ausgestellt war. Drei Tage lang war sie von der Außenwelt buchstäblich abgeschnitten. An einem einzigen Tag sammelt die Datenbank so viele Informationen über Sie, Herr Zim-

mer, daß zum Beispiel folgendes Dossier ausgedruckt werden könnte:

vertraulich vertraulich vertraulich von zentrale datenbank