Von Wieland Schmied

Über das „Alterswerk“ Max Ernsts, sein Werk seit der Rückkehr aus der amerikanischen Emigration, haben sich bestimmte Ansichten eingespielt, die wenigstens teilweise einer Revision und Ergänzung bedürfen.

Die Übereinkunft sieht das Werk der beiden letzten Jahrzehnte als harmonischer, einfacher, freier an. Man charakterisiert es mit Begriffen wie Verknappung, Verklärung, Abstraktion. Man konstatierte, die Farben sind heller, heiterer, frischer geworden, die Strukturen reicher, vielfältiger, kleinteiliger.

Die frühe Zeit der Revolten und der Erfindungen scheint vorbei, die Erinnerung an Dada und Surrealismus verblaßt, Einflüsse des Informel dagegen scheinen bereichernd hinzugekommen.

Kurzum, das versöhnliche Bild eines „positiven“ Max Ernst beginnt das des revolutionären „dadamax“ zu überlagern.

Gerade im richtigen Augenblick kommt da ein Buch, das diese simplifizierte Kanonisierung eines alt, ruhig und friedlich gewordenen Max Ernst nachhaltig zu stören unternimmt, indem es Argumente für ein komplexeres und umfassenderes Verständnis des Alterswerks vorträgt –

Werner Spies: „Die Rückkehr der Schönen Gärtnerin – Max Ernst 1950–1970“; Du-Monts Neue Kunst-Reihe, Verlag M. DuMont Schauberg, Köln; 150 S., 30 Farbtafeln, 48,– DM.