Hamburg, im Mai

Zuerst wollte ich gar nicht“, entschuldigt sich der Kieler Oberbürgermeister Günther Bantzer, der am 20. Juni gegen Jochen Steffen um den Vorsitz der schleswig-holsteinischen SPD kandidiert. Doch nach der Wahlniederlage ließ sich der zögernde Oberbürgermeister schließlich von Parteifreunden zur Kandidatur drängen: „Jetzt mußt du antreten, du darfst nicht noch einmal umfallen!“

Schon einmal hatte der bis dahin fast unbekannte Kommunalpolitiker einen kurzen Anlauf gegen Steffen genommen. Im Juli des vergangenen Jahres hatte er in der von Steffen herausgegebenen Kieler Nordwoche erklärt, er sei bereit, für das Amt des Ministerpräsidenten zu kandidieren, „wenn die zuständigen Gremien der Partei es wünschen“. Doch im Oktober befaßte sich der Oberbürgermeister wieder allein, mit der Regierung der Landeshauptstadt.

Damals wie heute witterten Journalisten eine Fronde gegen Jochen Steffen. Aber damals wie heute ragte nur ein kleines Eisstück aus dem Wasser, das den Anschein erwecken wollte, als verstecke sich darunter ein gewaltiger Eisberg. Edgar Meschkat, Bürgermeister des Kieler Vororts Altendorf, erklärte sich zum Sprecher einer anonymen Gruppe von Sozialdemokraten, die in Bantzer den einzigen Garanten, den besten Matador künftiger Wahlkämpfe sehen.

Ohne Bantzer sieht Meschkat dunkle Wolken am Himmel der schleswig-holsteinischen SPD: „Bleibt die gleiche Führung unter Personalunion Steffens (Partei- und Fraktionsvorsitzender), könnte sich ein Teil der Sozialdemokraten in Richtung der klassenkämpferischen Arbeiterpartei verrennen, könnte der Boden der Volkspartei und der des Godesberger Programms verlassen werden.“ Die Meschkat-Freunde beschlossen, für eine Trennung der Ämter des Fraktions- und des Parteivorsitzenden zu votieren und Bantzer als Kandidaten aufzustellen.

Obwohl es in Schleswig-Holstein eine geschlossene Anti-Steffen-Fraktion nicht gibt, wird an Steffen Kritik geübt. Der Unmut, vor allem älterer Sozialdemokraten, richtet sich weniger auf seine Beräter. Der Bürgermeister von Börnsen bei Hamburg, Donath, drückt dies so aus: „Die verdammten Institute, von denen hat sich Steffen weitgehend beraten lassen. Seine Berater haben ihn geradezu verführt, möglichst unpopulär zu sein.“ Steffen sei zu sehr Akademiker, zu wenig Pragmatiker.

Im Kieler SPD-Parteivorstand rechnet man zwar mit Kritik am Wahlkampf der SPD und den Sympathien einiger Genossen mit Bantzer. Eine konkrete Gefahr für Steffen aber sieht gegenwärtig niemand, zumal die meisten Anhänger Bantzers in der Partei keine Rolle spielen.

Der Kieler Oberbürgermeister Bantzer selbst betrachtet seine Kandidatur unter psychologischen und spielerischen Gesichtspunkten: „Wenn sich eine Gruppe so engagiert hat wie die SPD in diesem Wahlkampf, dann ist die Enttäuschung nach einer Niederlage besonders groß. Entweder man resigniert dann leicht, oder man sucht eine Position, wo man den Ärger ganz schnell ablassen kann.“ K.P.