Bundespräsident Gustav Heinemann ist am Montag mit einer Maschine der Bundeswehr zu einem Staatsbesuch in Rumänien eingetroffen. Er wurde vom rumänischen Staats- und Parteichef Ceausescu (unser Bild links) begrüßt. Auf dem Wege vom Flugplatz zum Gästehaus der rumänischen Regierung, wo Heinemann und seine Begleitung während des viertägigen Besuches wohnen werden, wurde die deutsche Delegation von der Bevölkerung freundlich begrüßt. Es ist der erste Besuch eines westdeutschen Staatsoberhauptes in einem kommunistischen Staat.

Heinemann sagte am Abend während eines Empfanges in seiner Tischrede, der Besuch biete Gelegenheit, weitere Schritte für einen Ausbau der deutsch-rumänischen Beziehungen zu erörtern.

Ceausescu erklärte, eine baldige Ratifizierung der Verträge von Moskau und Warschau sowie die Normalisierung der Beziehungen Bonns zu allen Staaten einschließlich der DDR „wäre von großer Bedeutung für die Gesundung der politischen Atmosphäre in Europa und aller Welt“.

Wie schon einige Tage zuvor vor deutschen Journalisten trat Ceausescu für die Abschaffung aller Blöcke in der Wert ein. Vor den Journalisten hatte der rumänische Staatschef außerdem hervorgehoben, eine Breschnjew-Doktrin gebe es nicht. Rumänien fühle sich nicht gedrängt und werde sich keinem Druck von außen beugen.

Bundesaußenminister Scheel, der während des Heinemann-Besuchs politische Gespräche in Bukarest führen will, wurde auf der Fahrt zum Bonner Flugplatz in einen schweren Autounfall verwickelt. Er und seine Frau erlitten leichte Verletzungen, konnten aber die Fahrt fortsetzen.