Von Carl Schmidt-Polex

München

Die 309 Einwohner der Mini-Gemeinde Moosham in Oberbayern sind besonders stolz auf 24 Kilometer neue Teerstraßen. Nicht weniger stolz sind die Dörfler auf den Mann, der das alles vollbracht hat: auf ihren Bürgermeister Paul Schöftlmaier. Es ist kaum möglich, in Moosham am Rande des Hofoldinger Forsts das Loblied auf den Pauli zu überhören. „A saubers Mannsbuid“, meint eine Bäuerin, die aus der Abendandacht in der kleinen Kirche kommt. Ein Mitglied des Gemeinderats: „Der zeigts dene da drob’n“. Dabei deutet er in Richtung München, wo durch den Wald, kaum vierzig Kilometer getrennt, eine Landesregierung auch für das Fleckchen Moosham zuständig ist. „Und a Gaudi hat a scho oiwai mög’n.“ Dies sagt ein Bauer, der mit dem Schöftlmaier Pauli aufgewachsen ist.

„Gaudi“ ist südlich der Donau das Idiom für einen Spaß. Bevorzugt für einen derben Spaß, nach dessen Pointe es was zum Lachen und zum Erzählen gibt. Und die Mooshamer lachen halt gerne: Die letzte Gaudi des Bürgermeisters Schöftlmaier wurde bis hinauf nach Flensburg bekannt. Als nämlich die Polizei in allen Bundesländern Ausschau hielt nach dem Kölner Byzantinistik-Professor Berthold Rubin, hatte der Gaudibursch Pauli vertrauten Besuch. In seiner kleinen Jagdhütte am Mooshamer Weiher hatten es sich zwei Herren gemütlich gemacht: eben jener gesuchte Professor und sein Faktotum Metzger.

Die „Gaudi“ kam in Bonn beim Geschäftsführenden Oberstaatsanwalt Schwellnus weit weniger gut an als bei den Dörflern in und um Moosham. Denn während Schwellnus gegen Rubin, Schöftlmaier und drei weitere Männer ein Verfahren eröffnete, kamen die Mooshamer zu dem Schluß, daß ihr Bürgermeister sie wieder einmal ins Gerede gebracht hat. „Und des zoit se oiwai aus“, meint einer, der es gut mit Moosham meint.

Als der Großbauer Schöftlmaier 1960 zum Bürgermeister der Zwerggemeinde gewählt wurde, gab es die 24 Kilometer Straßen noch nicht, die jetzt eine Verbindung untereinander herstellen. Damals, anno 60, gab es auch die NPD noch nicht; jene Partei, die in Moosham ein paar Jahre später so gut Fuß fassen sollte, daß der Pfarrer der Nachbargemeinde Thanning heute noch von einer „Hochburg“ spricht.

Schöftlmaier wurde Mitglied dieser Partei, und als die NPD bei den Landtagswahlen des Jahres 1966 fünfzehn Abgeordnete in das Maximilianeum entsenden durfte, war der Schöftlmaier Pauli obenauf. Im selben Jahr wurde er als Bürgermeister wiedergewählt – mit 98 Prozent der Mooshamer Stimmen. Die Dörfler sind noch heute stolz auf dieses Ergebnis. „Beim Ulbricht drüb’n kann so was schon vorkemma. Aber bei uns – des ist einmalig.“