Die große weite Welt der Intercontinental-Hotels reicht nun auch bis Bukarest. Am letzten Wochenende wurde die neue Luxusherberge eröffnet – für die Rumänen ein weiterer Schritt zu dem so nachdrücklich erstrebten Weltniveau, für San Am, der Haupteignerin der Hotelkette, ein weiterer Knotenpunkt in ihrem erdumspannenden Flug- und Übernachtungsnetz. Beim Staatsbesuch von Bundespräsident Heinemann erlebte das Hotel den ersten Ansturm.

Die Amerikaner haben für den beschwingten Koloß, der 26 Stockwerke zu 130 Meter Höhe türmt, Kredite gegeben und fachlichen Rat geboten. Ihr Anteil und die Verflechtung mit der Intercontinentalkette drückt sich auch darin aus, daß über einen Teil der Kapazität von 830 Betten nicht das Hotel selbst, sondern die Frankfurter Zweigniederlassung des Konzerns verfügt, und zwar mittels Computer, so daß blitzschnell aus der Ferne reserviert und gebucht werden kann. Und je Gast wird eine bestimmte Summe an die New Yorker Zentrale abgeführt.

Sonst aber führt der rumänische Staat Regie; Rumänen leiten das Hotel mit jener unerschöpflichen Liebenswürdigkeit, die dieses Volk auszeichnet. Man sieht, daß an nichts gespart worden ist; das durchweg solide, oft kostbare Material – vom Marmor bis zum Holz – ist so sorgfältig verarbeitet wie jene Bauten, die rumänische Firmen jüngst in Göppingen und anderswo ausgeführt haben.

Die Einrichtung der 415. Zimmer – sämtlich mit Bad, WC und Radio, versteht sich – erinnert teils an skandinavische Vorbilder, teils an New-England-Stile.

Das neue Intercontinental verfügt über zwei Restaurants, eines davon hoch oben unter dem Dach mit dem besten Blick auf Bukarest, über drei Bars, eine Brasserie und ein Selbstbedienungsrestaurant. Eine zweistöckige Tiefgarage wird noch ausgebaut; im Laufe des Sommers werden im obersten Geschoß für jene, die nach kulinarischen Ausschweifungen ihr gutes Gewissen wiedererlangen wollen, Schwimmbecken, Sauna und eine Turnhalle hinzukommen.

Zu kulinarischen Ausschweifungen verlocken die Speisekarten, wie in ganz Rumänien, ohnehin: Das Hotel pflegt die internationale Küche ebenso wie die einheimische, und sich diesem Angebot zu versagen, fällt um so schwerer, als der Service, nicht nur in den Restaurants, nichts zu wünschen übrig läßt.

Bleiben die Preise. Da setzt das Intercontinental, wie im allgemeinen Komfort, in der rumänischen Hauptstadt neue Maßstäbe. Für westliche Börsen ist Bukarest eine preiswerte, wenn nicht sogar billige Stadt, auch in den bisherigen Luxusherbergen. Das neue Nobelhotel aber führt das westliche Preisniveau in dieser Klasse auch hier ein und steigert es noch. Daß die Übernachtung 20 Dollar kostet, mag hingehen. Doch was soll man davon halten, daß etwa ein einfaches Omelett, garniert mit ein paar kümmerlichen Krabben, plus einer Flasche Bier mehr als 50 Lei, das sind umgerechnet fast 12 Mark, kostet? Merkwürdig, daß der Kapitalismus ausgerechnet im sozialistischen Lager seine üppigsten Blüten treibt. So nimmt es nicht wunder, wenn selbst ein offenkundig weitgereistes amerikanisches Ehepaar unter dem Eindruck der Rechnung für zwei Zitronenlimonaden feststellte: „Very expensive.“ Kurzum, die Brieftasche muß gefüllt sein. Der jüngste und modernste Hotelneubau bei unseren östlichen Nachbarn ist eine perfekt ausgestattete, glattfunktionierende Maschinerie zu gut geölten Preisen. Carl-Christian Kaiser