Von Mathias Wegner

Verlagskonzentration, Ladenketten, Kostensteigerungen, Überproduktion, neue Medien, die ihre Schatten vorauswerfen – und oft hört oder liest man die Parole, teils mit Melancholie, teils mit Genugtuung vorgetragen, Opas Buchhandel sei eben tot.

„Seit vielen Jahren wird an der alten Institution herumkuriert, denn ihre ökonomische Lage ist schwach, und das Warenhaus, das sich der Organisation des Buchhandels angeschlossen hat, macht dem regulären Sortimentsbuchhandel erhebliche Konkurrenz. Die Rabatte der Verleger sind zwar bedeutend höher als die üblichen Rabatte im Warenhandel, aber der Sortimentsbuchhandel glaubt selbst bei diesen Rabattsätzen auf die Dauer nicht bestehen zu können... Wir leiden an einer chronischen Überproduktion. Denn ein großer Teil der erschienenen Bücher findet nicht den Weg zum Leser. Die Auflagen vieler Bücher werden ‚verramscht‘ und eingestampft.“

Diese Sätze sind nicht der letzten Nummer des Börsenblatts für den deutschen Buchhandel entnommen, sie stammen vielmehr aus der Feder des Verlegers Samuel Fischer, und der brachte sie vor genau sechzig Jahren in einem Aufsatz „Der Verleger und der Büchermarkt“ zu Papier.

Die vermeintlich so glorreichen Zeiten des Buchhandels waren also auch nicht ganz ohne Bedrängnis, manche der heutigen Sorgen sind älter als ein Menschenalter. Und doch hat es ja mit der Glorie des Buchhandels in der ersten Jahrhunderthälfte einiges auf sich. Der heute so oft als Attitüde diskreditierte Glaube an eine kulturelle Mission, der sowohl dem literarisch ambitionierten Buchhändler als auch dem literarischen Verleger früherer Jahre eine Voraussetzung seines Berufes schien (für viele gilt das gewiß noch immer), hat Leistungen hervorgebracht, die unwiederholbar scheinen. An diese Leistungen erinnert, sie am Beispiel des ungekrönten Königs der Verleger analysiert zu haben, ist das Verdienst eines nach zehnjährigen Vorarbeiten endlich erschienenen Buches –

Peter de Mendelssohn: „S. Fischer und sein Verlag“; S. Fischer Verlag, Frankfurt; 1487 S., 64,– DM.

Auf nahezu 1500 eng bedruckten Seiten wird hier mit einer bestechenden Umsicht und Sachkenntnis ein weites Panorama deutscher Verlags-, Buchhandels- und Literaturgeschichte entrollt. Peter de Mendelssohn nähert sich dem Gegenstand seines Porträts mit einer liebevollen Genauigkeit, er legt eine Kenntnis der verlegerischen Zusammenhänge an den Tag, die in der Buchhandels-Literatur kaum ihresgleichen hat.