Wirtschaft

Titos mißratenes Lieblingskind

Da nicht sein kann, was nicht sein darf, ist es eben verboten: Der Streik in den sozialistischen Staaten. Nur ein Land tanzt auch in dieser Beziehung aus der Reihe: Jugoslawien.

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DIE ZEIT

Richter im Dilemma

Mit dem Freispruch Horst Mahlers von der Anklage des versuchten Mordes hat der Rechtsstaat in Berlin einen Sieg errungen. Dies ist kein Anlaß zum Triumph.

Aus der Traum

Die Antwort sozialistischer Intellektueller auf den Vorhalt, das Leben in kommunistischen Staaten sei doch (anders, als es die Ideologie vorsieht) viel unerträglicher als in „kapitalistischen“ Ländern, hieß immer: Ja, aber Kuba.

Ohne Vision

Sicher ist, daß es kein französisches Veto gegen den Beitritt Großbritanniens zum Gemeinsamen Markt mehr geben wird – nicht ganz so sicher dagegen ist, ob es Heath gelingen wird, sich im Unterhaus gegen die vereinigten Antieuropäer von rechts und links durchzusetzen.

Da waren’s nur noch zwei

Das CDU-Parteivolk schickt sich an wettzumachen, was die Parteispitze bisher versäumte: Es zieht den Kreis derer enger und enger, die als Zugpferde in das Rennen um die Mehrheit im nächsten Bundestag geschickt werden könnten.

Wechsel auf die Zukunft

Die Zukunft hat noch nicht begonnen. Wer sich nicht in den Geruch großspuriger Etikettenkleberei bringen will, sollte mit Reklamesprüchen wie "Anbruch einer neuen Ära" oder "Überwindung des toten Punktes" sparsam umgehen.

"Ich bin ein Ägypter"

Lange stand er im Schatten des anderen, der größer war als er. Nun wirft er seinen eigenen Schatten: In knapp 24 Stunden strafte Nassers Nachfolger im Präsidentenamt, Anwar El-Sadat, all jene Lügen, die ihn für nichts anderes gehalten hatten als einen Übergangs-Regenten, einen Präsidenten auf Probe.

ZEITSPIEGEL

Zum erstenmal seit zehn Jahren hat ein ungarischer Minister wieder das kommunistische China besucht, „auf Einladung“, wie die chinesische Nachrichtenagentur Hsinhua ausdrücklich meldete.

Mutmaßungen über Moskaus Motive

Das Bild ist reichlich verwirrend: Die Sowjetunion schlug Verhandlungen auf dem Gebiet der Truppenreduzierung in Europa vor, auf dem sie bisher die geringste Neigung zum Gespräch zeigte.

Nixons Sieg mit Breschnjews Hilfe

Zweimal haben Amerikaner und Russen in ihren schon anderthalb Jahre dauernden Verhandlungen über eine Begrenzung der strategischen Rüstung ihre Positionen umgekehrt.

Wolf gang Ebert:: Berliner Justiz

Nach dem Überfall auf eine Berliner Bank wurden die linksradikalen Rädelsführer in Ulm auf frischer Tat ertappt, nach Berlin überführt und von Senator Neubauer zur Höchststrafe ohne Bewährung verurteilt.

Sindermann macht’s möglich

Es war vorauszusehen, daß Erich Honecker nach seiner Ernennung zum Nachfolger Ulbrichts als Parteisekretär das Funktionärskarussell in Gang setzen würde.

Einig an der Seine

Die Regie, nach der die Begegnung zwischen Heath und Pompidou ablief, hat zweierlei gezeigt: 1. Frankreich bestätigt sich selbst; 2.

Ärger mit Israel

Jerusalem glaubt sich hintergangen, Bonn fühlt sich mißverstanden. Eines steht fest: Jenes Papier, in dem die Außenminister der sechs EWG-Staaten Mitte dieses Monats ihre Haltung zum Nahostkonflikt fixiert haben, hat die deutschisraelischen Beziehungen getrübt.

Brüll französisch, Löwe!

Französisch soll auch künftig die „erste Arbeitssprache“ im gemeinsamen Europa bleiben, forderte Staatspräsident Pompidou, als Edward Heath, der britische Premier, sein betont herzlich empfangener Gast im Elysee-Palast zu Paris war.

Zerstritten an der Themse

Auch nach der erfolgreichen Pariser Gipfelkonferenz ist in Großbritannien keine Europa-Euphorie ausgebrochen. Edward Heath, der an der Seine die bisher schwerste Bewährungsprobe seiner politischen Laufbahn bestand, wurde nicht von allen seinen Landsleuten mit Begeisterung empfangen.

Einst Retter – heute Vasall

In der Antrittsrede, die Gustav Husák als Parteichef am 17. April 1969 hielt, hatte er die Konsolidierung der Partei und der Beziehungen zur Sowjetunion zur vorrangigen Aufgabe erhoben, „von deren Erfüllung alles andere abhängt“.

Das Ende der Konfrontation

Unsere Nachkriegsbeziehungen zur Sowjetunion nahmen schon während des Krieges Gestalt an. Als Hitler am 22. Juni 1941 Rußland angriff, verkündete Churchill, er betrachte die Sowjetunion als Verbündeten.

Völkermord in Amerika

Das Weltgewissen begrub den Indianer vorzeitig unter einem Berg künstlicher Phantasieblumen. Nach der Ausrottung der roten Stämme Nordamerikas haben Heere von Schriftstellern und Drehbuchautoren ein Panoptikum verdrehter und verniedlichter Zerrbilder vom „Indianer“ geschaffen.

Die linken Berliner Juden

Herbert A. Strauss und Kurt R. Grossmann (Hrsg.); „Gegenwart im Rückblick. Festgabe für die Jüdische Gemeinde zu Berlin 25 Jahre nach dem Neubeginn“; Lothar Stiehm Verlag, Heidelberg 1970; 374 S.

Einer sagt seine Meinung

Nach einem Jahr hat diese Brandrede gegen die neue Ostpolitik nichts an Frische eingebüßt. Wer sie noch einmal hören will, sollte tunlichst sein Urteil freihalten von jener Emotion, mit der Barzel ihr zu höheren Weihen verhelfen wollte („Hier spricht ein Mann mit letzter Kraft, und der Bundeskanzler lacht darüber!“); von physischer Erschöpfung ist übrigens kaum etwas zu spüren, im Gegenteil: Guttenberg spricht bis zuletzt kraftvoll und leidenschaftlich, er beherrscht alle Register eines erprobten Debattenredners: mal schneidend-sarkastisch, mal beschwörend-anklagend.

Mut zur Minorität

Der anhaltende Konflikt im Nahen Osten hält in der Welt das Bewußtsein lebendig, daß es nach wie vor eine Judenfrage gibt. Es ist das Problem einer Minorität, die sich nicht, wie sonst nationale Minderheiten in einem Staat, mit dem Zugeständnis des Rechts auf die eigene kulturelle, sprachliche oder religiöse Besonderheit zufriedengibt, sondern die ihren Status als Aufgabe eines kritischen Nonkonformismus versteht.

Die Wiedergeburt der Kommune

Vor hundert Jahren, als die Pariser Kommune in einem Blutbad erstickt wurde, das in der Geschichte seinesgleichen suchte (so urteilte jedenfalls die Londoner Times), Ende Mai 1871, erhob sich im Reichstag unter dem Gelächter des Hauses der Abgeordnete Bebel und prophezeite, „daß, ehe wenige Jahrzehnte vergehen, der Schlachtruf des Pariser Proletariats: ‚Krieg den Palästen, Frieden den Hütten, Tod der Not und dem Müßiggang!‘ der Schlachtruf des gesamten Proletariats sein wird“.

Rosarote Dogmatik

Aus welcher Ecke diese Kritik kommt, wird erst klar, wenn man im Buche den Titel der Original-Ausgabe und den Erscheinungsort erfährt: "Unbewältigte Vergangenheit.

Indien-Pakistan: Heftige Vorwürfe

Die Spannungen zwischen Indien und Pakistan haben sich erneut verschärft. Nachdem sich beide Staaten wechselseitig der militärischen Grenzverletzung beschuldigt hatten, drohte die indische Ministerpräsidentin Indira Gandhi zu Wochenbeginn mit „einseitigen Maßnahmen“, um das Flüchtlingsproblem zu lösen.

Moskau bietet Rüstungsbeschränkung an

Gleichzeitig auf drei Ebenen hat die Sowjetunion in der vergangenen Woche ihre Versuche fortgesetzt, mit dem Westen Vereinbarungen über Sicherheitsfragen zu erreichen.

Berlin-Gespräche: „Konkrete Phase“

Auch das 20. Viermächte-Gespräch über Berlin am Dienstag brachte keinen greifbaren Erfolg. Der französische Botschafter Sauvagnargues äußerte nach dem dreistündigen Treffen lediglich, man sei in eine „konkrete Phase“ eingetreten.

Bremen: FDP löst Koalition

In Bremen bricht die seit fast 25 Jahren bestehende Regierungskoalition von SPD und FDP auseinander. Nach erregten Debatten stellten die Freien Demokraten am Dienstag ihrem Koalitionspartner ein Ultimatum: Rücktritt des SPD-Landesvorsitzenden und Bildungssenators Moritz Thape sowie seines Senatsdirektors Curt Kreuser oder Aufkündigung der Koalition.

Dokumente der ZEIT

„Der Präsident der Republik und der britische Premierminister hatten einen ausgedehnten Meinungsaustausch über die Rolle Europas im Hinblick auf die Ausweitung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft, der zeigte, daß ihre Ansichten einander sehr nahe sind.

Podgorny besucht Ägypten

Moskau ist über die fortgesetzten Säuberungen in der ägyptischen Staats- und Parteiführung offenbar doch beunruhigt. Am Dienstag trafen Staatspräsident Podgorny und Außenminister Gromyko zu einem dreitägigen Besuch in Kairo ein, der vom ägyptischen Protokoll als „inoffiziell“ bezeichnet wurde.

Übereinstimmung in Paris

Große Übereinstimmung in den Fragen der Europäischen Gemeinschaft und des Beitritts Großbritanniens drückt das Kommuniqué aus, das nach den zweitägigen Gesprächen zwischen dem französischen Präsidenten Pompidou und dem englischen Premierminister Heath am vergangenen Freitag in Paris veröffentlicht wurde.

Alle für Kipphardt

Nachdem, der Münchner Stadtrat sich bisher nicht dazu bereitgefunden hat, die Entlassung Heinar Kipphardts rückgängig zu machen, ist es zu einer ganzen Reihe von Aktionen und Protesten gekommen, die unterstreichen, wie sehr der künstlerische Rang der Münchner Kammerspiele bedroht ist.

Vom Dichter zum Urheber Wort

Die deutschen Schriftsteller, jedenfalls jene etwa dreitausend, die im Verband deutscher Schriftsteller (VS) organisiert sind, stehen vor einer schwerwiegenden Entscheidung.

Martin Walser:: Deutsche Schußrichtung

Jewgenij Schwarz schrieb 1943 eine Satire gegen den Stalinismus und nannte sie „Der Drache“. Dieses Stück war lange in einer wundervollen Inszenierung Benno Bessons in Ostberlin zu sehen.

ZEITMOSAIK

So du keinen rechten Grund hast, so ist es nicht möglich, daß du etwas Gerechtes oder Gutes machst, und ob du den größten Gebrauch der Welt hättest in Freiheit der Hand, denn es ist mehr ein Gefängnis, so sie dich verführt.

Mein Fall – seit kurzem

Aufregende gesellschaftliche Entwicklungen finden ihre Widerspiegelung in aufgeregten Menschen. Diese wiederum regen andere auf und wollen das auch.

Peter Handke in USA

Ort: eine bekannte Universität in Neuengland. Der einführende amerikanische Germanist drechselt ein paar wohlgemeinte deutsche Sätze über das Frühlingswetter, das der Dichter wohl mitgebracht habe, und dankt im Namen der Universität.

Dürer und die fünf Sinne

Dürers Geburtstag begann am 21. morgens um 8 Uhr an Dürers Grab, und wenn das Geburtstagsprogramm, dessen letzte offizielle Veranstaltung am Abend um 20.

Dürer und seine Zeit

Dürer im Germanischen Nationalmuseum. „War es wirklich unmöglich, die Originale der Apostel aus der Alten Pinakothek nach Nürnberg zu bringen? Es fehlte zumeist das Rosenkranzfest.

Tuchers im Safe

Dürer-Feiern landauf, landab, das Jubeljahr bringt Ausstellungen, Analysen, Gedächtnisfeiern – aber immer noch ruhen zwei seiner bekanntesten Gemälde seit vier Jahren im Safe einer amerikanischen Bank: Hans und Felicitas Tucher.

Eine Fata Morgana nach der anderen

Wenn man es nicht besser wüßte, könnte man aus der Perspektive der Filmfestspiele in Cannes glauben, der deutsche Film sei wieder einmal von den Toten auferstanden.

Aufklärung - für wen?

Es sei an uns, endlich die Konsequenzen zu ziehen, sagt Alexander Mitscherlich am Schluß des Films in einem resümierenden Kommentar.

FILMTIPS

Im Fernsehen: „Strategie der Spinne“ (Italien 1970), von Bernardo Bertolucci (ARD am 1. Juni). Das Motiv des Doppelgängers, eine Obsession, bestimmt zunehmend die Struktur von Bertoluccis Filmen: spiegelbildliche Szenen und Verläufe, Vertauschung von Ursache und Wirkung, Täuschung der handelnden Personen wie des Zuschauers.

Die Dressur zum Mensch

Vor knapp einem Jahr lief François Truffauts Film „L’enfant sauvage auf der Berlinale zum ersten Mal in Deutschland. Nachdem die United Artists lange hin- und herüberlegt hat, ob solch ein Film den Einsatz lohne, läuft er nun doch in unseren Kinos, und zwar in der sorgsamen Synchronisation der Ostberliner DEFA.

Abroad •Del extranjero • De l’étranger: „Operation Hallen“

Die Behörden sind hilflos oder borniert, die Bürger des „Hallen“-Viertels und der Stadt, ziemlich heftig engagiert, sind empört oder verzweifelt, die beteiligten Architekten und Städtplaner einigermaßen ratlos; die Denkmalschützer nicht zuletzt schlagen die Hände über den Köpfen zusammen über den Verlust eines der bedeutendsten baugeschichtlichen Dokumente des Stahlbau-Zeitalters, kurzum: Die „Operation Hallen“ in Paris macht nicht nur niemanden glücklich, das Unternehmen überhaupt ist schierer Wahnsinn.

Schriftsteller in die Gewerkschaft?

Für die Schriftsteller ist in dieser Gesellschaft mit einer rein ständischen Interessenvertretung nichts zu erreichen. Die Einzelgänger brauchen einen Verband, der sie mit Nachdruck vertritt.

Im Spiel der Wahrheit dienen

Am 30. Mai wird er siebzig Jahre alt: Walter Felsenstein, der Schauspieler, Regisseur, Intendant der Ostberliner Komischen Oper, Protagonist des „realistischen Musiktheaters“.

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