Ort: eine bekannte Universität in Neuengland. Der einführende amerikanische Germanist drechselt ein paar wohlgemeinte deutsche Sätze über das Frühlingswetter, das der Dichter wohl mitgebracht habe, und dankt im Namen der Universität. Der Sprachkünstler hört höflich zu. Aber er ist noch nicht dran.

Als nächster Redner wird ein Professor X eingeführt, der mit Handke angereist ist und der nun die Innenwelt des Poeten in Außenwelt zu verwandeln beginnt. Da entsteht vor uns das einzigartige Klima Österreichs, das intellektuelle Klima wohlgemerkt, aber immerhin.

Dazwischen wird tüchtig zitiert, Handke natürlich, der höflich zuhört.

Mein Nebenmann fragt mich: Muß man das anhören? Ist das immer so?

Nach einer guten Viertelstunde klatscht jemand mitten in einen Satz hinein. Der Professor fixiert den Banausen und fragt pikiert: „Wollen Sie, daß ich aufhöre?“ Aber er hört nicht auf, sondern schürft noch eine Weile weiter zwischen Freud und Wittgenstein.

Dann liest Handke. Die Stücke, die er gewählt hat, liegen schon alle gedruckt vor, und er hat sie auch schon anderswo vorgetragen. Trotzdem ist sein Auftritt erfrischend. Aber so ganz unberührt von dem akademischen Vorspann ist er wohl nicht geblieben. So fragt er eine Zuhörerin recht schulmeisterlich, warum sie wohl eben gelacht habe. Zugegeben, die Stelle war nicht komisch.

Sollte die österreichische Kulturabteilung, die als Mitveranstalter fungierte, Handke diese akademische Verpackung angetragen haben, so sollte er sie nicht so höflich hinnehmen. Diese Art österreichischer Seilschaft hat er nicht nötig. Die Angst des Tormanns beim Elfmeter kann durch offizielle Verteidiger nur gesteigert werden.