Moskau ist über die fortgesetzten Säuberungen in der ägyptischen Staats- und Parteiführung offenbar doch beunruhigt. Am Dienstag trafen Staatspräsident Podgorny und Außenminister Gromyko zu einem dreitägigen Besuch in Kairo ein, der vom ägyptischen Protokoll als „inoffiziell“ bezeichnet wurde. Politische Beobachter vermuten, daß sich die Sowjetunion über die Hintergründe der innenpolitischen Krise und das Schicksal der abgesetzten prosowjetischen Politiker informieren will.

Noch am Wochenende hatte der Herausgeber der halbamtlichen Zeitung Al Ahram, Heikal, versichert, die guten Beziehungen zur Sowjetunion blieben durch die innerägyptischen Vorgänge völlig unberührt. Das sowjetische Parteiorgan Prawda hatte diesen Passus lobend hervorgehoben, aber zugleich davor gewarnt, den USA und damit auch Israel mehr Einfluß im Nahen Osten einzuräumen.

Die Welle der Umbesetzungen, Entlassungen und Verhaftungen dauert an und hat mittlerweile alle staatlichen Betriebe und Unternehmen erfaßt. Über 100 Offiziere wurden versetzt, 110 Politiker und Funktionäre festgenommen. Etwa 30 von ihnen warten jetzt auf ihren Prozeß.

Präsident Sadat kündigte am Donnerstag vergangener Woche an, daß eine neue Verfassung ausgearbeitet werde, die „eine ständige Erneuerung der politischen Szene“ gewährleiste. Die politischen Rechte und staatsbürgerlichen Freiheiten des Volkes sollten erweitert und besser gesichert werden. Ziel sei eine Konstitution, die Ägypten als eine „große Gemeinschaft“ zusammenfasse.