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Wirtschaftsminister Karl Schiller entschied sich ein drittes Mal für „das Leben zu zweit und ließ dies zuerst Jasmin, das einschlägige Fachblatt für alle damit verbundenen Probleme, wissen. Seine Hochzeit mit der 22 Jahre jüngeren Etta Eckel,. Oberregierungsrätin im Düsseldorfer Finanzministerium, wurde beim Standesamt in Hannover wie eine „geheime Kommandosache“ behandelt, jedenfalls „viel diskreter als eine Aufwertung“, heißt es in Bonn spitz.

Aus Jasmin erfährt man auch, wer für die Wirtschaftspolitik der letzten Jahre wirklich verantwortlich ist: „Sie war es, die mir in schvierigen Situationen der letzten zwei Jahre den richtigen Rat gab. Sie war es, die mich jedesmal zum Durchhalten aufforderte“, bekannte Schiller. Etta Eckel, die mit Schiller auch das Parteibuch gemeinsam hat, ist für den Minister nach eigenem Bekenntnis „eine Herausforderung“. Schiller: „An dieser Frau kann man sich jeden Tag die Zähne ausbeißen.“

Ganz freiwillig kamen die Bekenntnisse des Ehepaars Schiller allerdings nicht an die Öffentlichkeit. Aber nachdem das Paar Ostern tagelang insgeheim von Jasmin-Reportern photographiert worden war, blieb ihm keine andere Wahl, als gute Miene zum bösen Spiel zu machen.

Gerüchte über eine angebliche Amtsmüdigkeit von Landwirtschaftsminister Josef Ertl erwiesen sich als von der „CDU ausgestreute Zweckgerüchte zur Verunsicherung der Regierung“, heißt es in der Umgebung des Ministers. Hoboy-Maler Ertl, der sich als Kurgast auf der Bühler Höhe im Schwarzwald erholt, nahm zehn Kilo ab, stellte zwei Ölgemälde fertig, las zur Erbauung die gesammelten Filser-Briefe von Ludwig Thoma und zur Abschreckung „Das Selbstmordprogramm – Zukunft oder Untergang der Menschheit“ von Gordon R. Taylor. Der Bestseller behandelt Fragen des Umweltschutzes. Ertl war von den Zukunftsaussichten der Menschheit derart schockiert, daß er seinen Mitarbeitern die Lektüre vom Urlaubsort aus empfahl.

Wenn Ertl aus der Kur zurückkommt, wird er es nicht eben leicht haben, in der Koalition weiter für die Landwirtschaft zu streiten. Im Kabinett und in den Fraktionen ärgert man sich über den rüden Ton der Bauernverbände. Dabei wurden gerade im Agrarbereich die meisten der vorgesehenen Reformen durchgesetzt: die betriebliche Förderung, die Verbesserung der Alterssicherung, die Anhebung des Butter- und Milchpreises, Verbesserung der Krankenversicherung, höhere Unfallrenten. Der Aufwertungsausgleich für die Landwirtschaft in Höhe von 1,7 Milliarden Mark brachte den Bauern mehr, als der Verlust ausgemacht hat.

Im Kanzleramt heißt es: „Ertl hat in Brüssel bis zur physischen Erschöpfung für die Bauern gekämpft. Zum Dank, kommen immer neue Forderungen und Beschimpfungen. “Kanzler Willy Brandt empfing den Bauernpräsidenten Freiherr von Heereman kürzlich zum fünften Mal, „was es in den Zeiten der CDU-Regierung nie gegeben hat“. Angesichts der Tatsache, daß nahezu alle Bauernverbände in den Ländern, von CDU-Mitgliedern geführt werden – die militantesten sind der bayerische Bauern-Fürst Otto Freiherr von Feury und Schleswig-Holsteins Bauern-Präsident Hans-Jürgen Klinker (CDU-MdB) –, glaubt man in der Regierungskoalition nicht mehr, daß die Agrarpolitik der Regierung Anerkennung findet. Ertls Pressereferent Erwin Reuss: „Es wird immer schwieriger, Agrarpolitik zu machen.“