Der Teilverkauf des Rowohlt Buchverlags an die Stuttgarter Holtzbrinck-Gruppe (Buchgemeinschaften, Verlage, Zeitungen, graphische Betriebe) ist für die Gerüchtemacher seit letztem Herbst Tatsache gewesen; jetzt, da er nun wirklich stattgefunden hat, überrascht er darum kaum noch sonderlich. Ab 19. Mai also wurde, laut Kommuniqué, „eine enge Zusammenarbeit vereinbart“. Im Klartext: für sechs Millionen Mark hat der Holtzbrinck-Konzern sechsundzwanzig Prozent des Rowohlt Verlags erworben.

Es war ausnahmsweise kein drohender Ruin, der zu diesem Schritt genötigt hätte; der Rowohlt Taschenbuch Verlag hat ein Rekordjahr hinter sich, die verlagseigene Druckerei arbeitet mit Profit, und der Buchverlag, der nun zu über einem Viertel Holtzbrinck gehört, hat alle etwa riskanten literarischen Unternehmungen immer gegen risikolose, manchmal ziemlich fragwürdige Erfolgsbücher ausbalanciert, so daß er wenigstens ohne Verluste hinkam. Nach dem medizinischen Fachverlag Julius Springer und den Buchverlagen der Bertelsmann-Gruppe steht Rowohlt mit 25 Millionen Mark Jahresumsatz heute an dritter Stelle unter den deutschen Buchverlagen, und er steht da ganz gesund.

Es waren noch nicht einmal irgendwelche Rationalisierungszwänge, die den Ausschlag gegeben hätten, obwohl man sich nun, als Ergebnis der Beteiligung, auch Rationalisierungsvorteile erhofft.

Hinter dem Teilverkauf steht – man verrät damit kein Geheimnis – vielmehr H. M. Ledig-Rowohlts Wunsch, flüssiges Geld in die Hand zu bekommen, um sich später irgendwann zurückziehen zu können; stehen eine gewisse Müdigkeit und Resignation angesichts der Tatsache, daß im Verlagsgeschäft zunehmend glatte, kühl kalkulierende und planende Manager gefragt sind, nicht aber Verleger wie er, genialische nächtliche Kumpane des Dichtervolks. Der Anschluß an einen Großkonzern ist quasi die reale und symbolische Besiegelung der Tatsache, daß eine neue Verlegerzeit angefangen hat.

Wie immer bei solchen Gelegenheiten fehlt es nicht an Beteuerungen, daß das Programm, auf das allein es doch ankomme, nichts von seiner Eigenständigkeit verlieren würde. Möglicherweise haben sich das die Beteiligten sogar tatsächlich vorgenommen. Aber die wirtschaftliche Logik spricht dafür, daß die Holtzbrinck-Gruppe sich für ihr Geld auf die Dauer doch mehr verspricht als sichere Buchgemeinschaftslizenzen und ein paar periphere Rationalisierungsmaßnahmen. Gerade die Erfahrungen, die ihre übrigen Buchverlage gemacht haben, sprechen eine andere Sprache. Ob dem S. Fischer Verlag auf lange Zeit die erwogene Unterordnung an den durch einen Kooperationsvertrag gebundenen Verlag Droemer Knaur erspart bleibt, ist fraglich; und die ehemals selbständigen und dann innerhalb des Holtzbrinck-Imperiums wenigstens zu dritt selbständigen Verlage Goverts, Krüger und Stahlberg wurden gerade vor kurzem S. Fischer angegliedert. Wenn es Ernst wird, zählen eben die Zahlen, und der Ernst bleibt nie aus.

In der gegenwärtigen Phase läßt sich weder sagen, daß der Rowohlt Verlag sich nun aufgegeben habe, noch, daß alles so sei wie vorher. Es werden nur die Weichen gestellt: für die Formation der Multi-Media-Großkonzerne der Zukunft. D.E.Z.