Von Wolfram Siebeck

Vor geraumer Zeit forderte Conrad Ahlers von uns Journalisten, daß wir den Lesern Lebenshilfe gäben. Leider fiel uns damals nichts Passendes ein. Jetzt hat ein Außenseiter das größte Lebenshilfswerk aller Freizeiten ins Leben gerufen und ist damit fast so populär geworden wie der Bundeskanzler (immerhin steht sie an dritter Stelle der bundesdeutschen Beliebtheitsskala): Käte Strobel, Minister für Gesundheit und so was, gibt uns in einer Broschüre ihres Ministeriums „100 Tips für Freizeitspaß“.

Schon einmal hatte eine Regierung einen spaßigen Tip gegeben: Bei einem Atomangriff sollten wir uns die Aktentasche auf den Kopf legen, hieß es damals. Die Aktentaschen gingen weg wie warme Semmeln. Aber der Spaß erwies sich auf die Dauer doch nicht als freizeitfüllend. Darum also jetzt 100 neue Tips. Da lernen wir zum Beispiel im Tip Nr. 86, wie uns das Fernsehen mehr Spaß machen kann: „Versuchen Sie mal, sich bei geöffnetem Fenster mit angezogenen Beinen auf den Sessellehnen hochzustützen oder plötzlich für kurze Zeit Ihre Muskeln anzuspannen. Wird die Fernsehsendung langsam langweilig, noch schnell ein paar Kniebeugen und das Gerät abschalten.“ (Die Geräte gehen weg wie warme Semmeln.)

Nun ist es so, daß bei uns die Fernsehsendungen nicht langsam langweilig werden, sondern ziemlich schnell. So schnell sogar, daß wir gar nicht mehr bis zu den Kniebeugen kommen.

Aber der Spaß beginnt ja schon, wenn man das Fenster öffnet. „Huch, es zieht!“ ruft es vielstimmig, und es zieht tatsächlich. Die Zeitung wird vom Tisch geweht, die Zimmertür knallt, und die Hausfrau springt auf, um das Fenster wieder zu schließen. „Was ist denn das für eine Idee, jetzt das Fenster zu öffnen ...?“

Um sie nicht unnötig zu beunruhigen, verzichten wir auf lange Erklärungen und versuchen, uns mit angezogenen Beinen auf den Sessellehnen hochzustützen.

Zugegeben, wir sind nicht sehr sportif – mal eine Schnitzeljagd (Tip Nr. 14), mal ein Spielchen Domino (Tip Nr. 68). Aber auch wenn wir uns eleganter hochgestemmt hätten, wäre die Lehne abgebrochen. Sie bauen heute eben keine Sessel mehr, wie sie früher Sessel gebaut haben. Es gab nur einen kleinen Knacks; längst nicht laut genug, um Herrn Köpcke die Schau zu stehlen.