Wahlkämpfer Salvador Allende versprach jedem chilenischen Kind einen halben Liter Milch täglich, um den Proteinmangel in der Ernährung auszugleichen, durch den besonders die Heranwachsenden gefährdet sind. Chiles Präsident Salvador Allende hingegen empfiehlt den Kindern, Limonade zu trinken.

Es scheint jedoch, als machten Chiles Kinder keinen schlechten Tausch. Denn in Chile wurde mit der Produktion von Soft drinks begonnen, die die doppelte Proteinmenge enthalten wie entsprechende Quantitäten Milch. Es gelang nach nunmehr fünfjährigen Versuchen am Nationalen Fischerei-Institut des Landes, aus Fischen ein geruch- und geschmackloses Protein-Konzentrat herzustellen. Nahezu jede Fischsorte hat sich als geeigneter Grundstoff erwiesen, und das Fischprotein ist billiger als vergleichbare Mengen Milchprotein. Die gegenwärtige Produktion reicht zwar erst zur Anreicherung von 4000 bis 5000 Flaschen Limonade, sie soll jedoch rasch ausgeweitet werden.

Das Protein eignet sich jedoch nicht nur als Milchersatz – es könnte auch helfen, die knappen Milchreserven des Landes zu erhöhen. Chiles Kälber trinken jährlich 172 Millionen Liter Milch und verursachen damit nahezu ein Viertel des Milchdefizits. Außerdem werden jährlich 350 000 Kälber geschlachtet – nicht des Fleisches wegen, sondern um den Milchkonsum durch die Tiere einzuschränken. Wenn die Schwierigkeiten überwunden werden, die im Moment noch darin bestehen, daß das Proteinkonzentrat vom Kuhmagen weniger gut verdaut werden kann als vom menschlichen, dann könnte Fischprotein als Futterersatz das Milchdefizit des Landes verringern und den Viehbestand anheben.

Das Protein kann auch den meisten Nahrungsmitteln zugesetzt werden. Besonders geeignet ist Speiseeis. Damit eröffnet sich für Chiles Kinder eine Perspektive, in der das Notwendige mit dem Schönen verbunden ist: Sie schlecken sich gesund.

S. N.