Japans Premierminister Eisaku Sato und sein Finanzminister Takeo Fukuda haben seit einigen Wochen ein ständiges Lieblingsthema: Eine Aufwertung des japanischen Yen stehe nicht zur Debatte. Doch das ständige Gerede hat bisher wenig geholfen, sondern die internationalen Finanzagenten nur noch aufmerksamer gemacht. Der Yen gilt seit dem Beginn der Währungskrise in Europa als die letzte „harte Währung“, an der noch etwas zu verdienen ist.

Doch Premier Sato und sein Minister Fukuda hatten längst dafür gesorgt, daß Ausländer am Yen kaum etwas verdienen können. Die japanische Währung ist durch eine Devisenbewirtschaftung schon seit Jahren vor Spekulationswellen geschützt, und das letzte Loch der japanischen „Devisenabwehr“ wurde in der vergangenen Woche verstopft: Die Japaner haben es Ausländern praktisch verboten, private und öffentliche Yen-Anleihen zu kaufen.

Das japanische System, das eine durch Spekulationswellen erzwungene Aufwertung verhindert, ist einfach und sehr wirkungsvoll: Japans Banken dürfen nur sehr geringe und streng kontrollierte Beträge ausländischen Geldes gegen nationale Währung eintauschen. Die einzige Ausnahme ist für den Fall vorgesehen, daß eine Bank, die große Mengen von Dollars eintauscht, diesen Betrag auch gleich wieder im Ausland unterbringt – was natürlich niemand wagt, solange der Yen aufwertungsverdächtig und der Dollar von einer Abwertung bedroht ist.

Auch der Kauf von Yen-Schuldverschreibungen und Anleihen durch Ausländer ist schon seit Jahren reglementiert. Man hat das Reglement jetzt aber so verschärft, daß solche Anleihen gar nicht mehr erworben werden können. Darüber hinaus wurden alle japanischen Banken und Firmen angewiesen, Kredite an japanische Auslandsunternehmen nur noch in unbedingt notwendigen Fällen zu geben. Eine „Flucht in den Yen“ wird es also nicht geben, weil es auf den Geldmärkten kaum Yen gibt.

Dennoch sind die Japaner einem internationalen Druck ausgesetzt; der sie früher oder-später zur Aufwertung zwingen wird: Nicht nur die internationale Finanzwelt, auch Washington, die OECD und die Weltbank halten eine Yen-Aufwertung für angebracht. Wenn die Japaner nicht nachgeben, wird man sie – das gilt insbesondere für Amerika – durch protektionistische Maßnahmen bestrafen. Den Japanern aber ist ein freier Welthandel weit wichtiger als ein auf Ewigkeit zementierter Wechselkurs.

Den Beweis dafür, daß der seit 22 Jahren fixierte Yen-Wechselkurs zu niedrig ist, sehen die Finanzexperten weniger in der Höhe des japanischen Zahlungsbilanzüberschusses, als vielmehr in dem Tempo, mit dem Japans Devisenüberschuß wächst. Mitte 1968 hatten die Japaner mit knapp zwei Milliarden Dollar zum erstenmal Devisenreserven in einer Höhe aufzuweisen, wie sie ein stark exportabhängiges Land haben muß. Inzwischen aber sind die Gold- und Devisenreserven auf 6,3 Milliarden Dollar angewachsen. Und man rechnet damit, daß dieser Betrag bis 1975 auf 12 Milliarden Dollar ansteigen könnte.

Die Ursachen dieser Entwicklung sind die japanischen Exporterfolge, die Milliarden an Devisen einbringen, und staatliche Reglementierungen, die verhindern, daß große Yen-Beträge ins Ausland fließen. Der japanische Protektionismus ist dabei die wirksamste Maßnahme. Die Japaner sorgen mit hohen Zöllen und Investitionsbeschränkungen für Ausländer dafür, daß nur sehr wenige Konzerne mit importierten oder von Tochterunternehmen in Japan produzierten Waren auf dem Inselmarkt des Kaiserreiches Fuß fassen. Außerdem gibt es eine strenge Devisenkontrolle für alle Japaner, die im Ausland Geld ausgeben wollen – seien es nun Touristen oder Unternehmer.