Große Übereinstimmung in den Fragen der Europäischen Gemeinschaft und des Beitritts Großbritanniens drückt das Kommuniqué aus, das nach den zweitägigen Gesprächen zwischen dem französischen Präsidenten Pompidou und dem englischen Premierminister Heath am vergangenen Freitag in Paris veröffentlicht wurde. Beide Politiker vertraten vor der Presse die Ansicht, daß einem Beitritt Großbritanniens zur EWG jetzt nichts mehr im Wege stehe und daß auf den Sitzungen des Ministerrates im Juni eine Einigung über die letzten offenen Fragen erzielt werden könne.

Als Heath am Montag dem Parlament in London berichtete und noch ganz unter dem Eindruck seiner Gespräche mit Pompidou von dem Wunsch der Franzosen nach einer Erneuerung der Freundschaft mit England sprach, begegnete er Zurückhaltung und kritischen Fragen vor allem seines Vorgängers Wilson. Der Führer der Labour-Party fragte den Premier mehrfach und eindringlich nach Einzelheiten der Gespräche. Vor allem wollte Wilson Näheres über Heath’s Reaktion auf den französischen Wunsch nach einer gemeinsamen Nuklearstreitmacht mit Großbritannien und über die in Paris besprochenen Modalitäten hinsichtlich des künftigen englischen Agrarimports aus Neuseeland wissen.

Diese Fragen wie auch die künftige Rolle des Pfund Sterling als Reservewährung haben eine zentrale Rolle bei den Gesprächen zwischen Heath und Pompidou gespielt; das abschließende Protokoll aber sprach nur allgemein von der guten Möglichkeit, daß diese Fragen gelöst werden könnten. Heath konnte vor dem Parlament darauf hinweisen, daß eine Lösung dieser Probleme nicht allein zwischen London und Paris, sondern von allen EWG-Mitgliedern inBrüssel ausgehandelt werden müßte.

Deutlich wird aus dem Kommuniqué, daß beide Länder vorläufig nicht an einer engeren politischen Zusammenführung der Gemeinschaft interessiert sind. Heath berichtete vor dem Parlament, er stimme mit Pompidou überein, daß innerhalb der Gemeinschaft die Staaten als eigene politische Gebilde erhalten bleiben müßten. Der Ministerrat solle weiter das entscheidende politische Gremium bleiben. Grundlegende nationale Interessen müßten Vorrang behalten. Ein Beitritt Großbritanniens zur EWG bedeute also nicht den Verlust der „nationalen Identität“.