Dies war Wasser auf die Mühlen der China-Lobby in Bonn: Österreich hat als 54. Staat die Volksrepublik China anerkannt. Wieder einmal heißt die Frage: Und was tut die Bundesrepublik? Alle größeren westeuropäischen Länder haben inzwischen offizielle Beziehungen zu Peking. Soll ausgerechnet die Bundesrepublik, praktisch der zweitwichtigste Handelspartner der Chinesen, hier zurückstehen?

Der CDU-Abgeordnete Majonica hatte noch während der Großen Koalition die Meinung vertreten: "Die Verbindung mit den USA und die Verbesserung der Beziehungen zur Sowjetunion haben unbedingte Priorität vor den politischen Beziehungen mit Peking." Die Rücksichtnahme auf die USA entfällt heute, da auch in Washington die Weichen in Richtung Peking gestellt sind. Das zweite Argument gilt nach Meinung der Bundesregierung weiter: Erst müsse das Verhältnis zu Moskau weiter verbessert werden, ehe sich die Bundesrepublik auf ein spektakuläres Peking-Unternehmen einlassen könne.

Grundsätzlich ist die Bundesrepublik bereit, zu allen Staaten Beziehungen aufzunehmen, noch aber hat Peking kein Signal gegeben. So mag es durchaus im bundesdeutschen Interesse liegen, wenn Gerhard Schröder in Peking zu sondieren versucht, welche Absichten die Chinesen haben. Eine solche Reise ist normal, wie auch eine Normalisierung zwischen China und der Bundesrepublik normal wäre. Eine forcierte Aktion aber, das ist die nicht unbegründete Befürchtung des Auswärtigen Amtes, könnte auf doppelte Weise fatal wirken: Sie würde eine Absage der Chinesen und das Mißtrauen der Sowjets provozieren. R. Z.