Der Gang durch Fachgeschäfte und Messen ist in aller Regel eindrucksvoll: Das Büro, so scheint es, wird immer moderner. Doch der Schein trügt. Hinter den Fassaden imposanter Geschäftshäuser verbergen sich oft rückständige Büroräume. So klagten die Büromöbelhersteller auf der jüngsten Hannover-Messe: "Der Abstand zwischen den Produktentwicklungen in der Büromöbelindustrie und der Bürogestaltung in der Praxis ist in den vergangenen Jahren nicht kleiner geworden."

Leidtragende sind die zwei Millionen (schreibenden) Angestellten, deren Gesundheit unter schlechten Arbeitsbedingungen leidet. Ungeeignete Schreibtische, Stühle oder Büromaschinen sind verantwortlich für viele Schäden an der Wirbelsäule, sie verursachen Schulterschmerzen und führen zu Muskelverspannungen.

Experten klagen nicht ohne Grund: Etwa 70 Prozent der Büros in der Bundesrepublik sind technisch unterentwickelt. Die Büroangestellten können deshalb auch nur 60 Prozent der Leistung erbringen, zu der sie eigentlich fähig wären.’

Dabei bestehen klare Vorstellungen darüber, wie zum Beispiel der optimale Schreibplatz im Büro aussehen müßte. Die Deutsche Angestellten-Gewerkschaft beschreibt ihn so: höhenverstellbarer Schreibmaschinentisch, kippsicherer und verstellbarer Stuhl und Kugelkopf-Schreibmaschine. Drehrollenstühle stehen immerhin in über 70 Prozent der westdeutschen Büros.

Aber niemand ist einem gesundheitsschädlichen Arbeitsplatz schutzlos ausgeliefert. Im Prinzip genügt ein Anruf beim Gewerbeaufsichtsamt, um die Kontrolleure ins Büro zu rufen. Seit dem 1. Dezember 1968 gibt es eine amtliche Handhabe: Das Gesetz über technische Arbeitsmittel. Danach müssen auch Büromöbel so beschaffen sein, daß Benutzer gegen "Gefahren aller Art für Leben und Gesundheit" geschützt sind. Die Fabrikanten müssen die Anweisungen der Aufsichtsbehörde respektieren und ihre Modelle ändern. Andernfalls können ihnen Geldbußen bis zu 50 000 Mark verordnet werden.

Doch das Gesetz kann noch gar nicht voll angewendet werden. Es fehlt an den Sicherheitsnormen, die den arbeitsmedizinischen Erkenntnissen entsprechen. Ohne verbindliche Normen sind auch keine Verstöße nachzuweisen. So nützt es wenig, wenn die DAG feststellt, nur höhenverstellbare Schreibmaschinentische genügten den Anforderungen des Gesetzes. Denn vor dem Beschluß einer verbindlichen Norm wird noch einige Zeit in diversen Ausschüssen beraten werden. Klaus-Peter Schmid