Von Hermann Bößenecker

Hermann Zahn, Chef der Ibelo Metallwarenfabrik in Frankfurt und sportbegeisterter Schwiegervater von Marita Kilius, war einer der Pioniere Schon im April letzten Jahres verzierte er Ibelo-Gasfeuerzeuge mit den fünf olympischen Ringen und dem deutschnationalen Olympia-Symbol, der Strahlenspirale, In zwölf Monaten wurden rund 10 000 Olympia-Feuerzeuge verkauft – ein gutes Geschäft für Zahn und das Münchner Olympia-Organisationskomitee. Denn die Münchner, kassieren bei Ibelo eine Lizenzgebühr von 10 Prozent des Fabrikpreises für jedes verkaufte Olympia-Feuerzeug.

Ibelo ist längst nicht mehr der einzige Olympia-Lizenznehmer. Rund 160 Firmen haben inzwischen das Recht erworben, ihre Produkte oder ihre Firmenwerbung mit olympischem Flair auszustatten. So profitieren heute schon Trainingsanzüge und Süßwaren, Hausgeräte und Schlauchboote vom olympischen Konsumboom.

Den olympischen Profit teilen sich in jedem Fall die Hersteller und das Münchner Organisationskomitee: Die Lizenzgebühren liegen zwischen 1,5 Prozent (bei Nahrungsmitteln) und 20 Prozent (bei Souvenirs). Doch nicht nur mit dem Lizenzgeschäft kommen Millionenbeträge in die Olympia-Kasse. Mit dem offiziellen Maskottchen, dem Dackel Waldi, mit Olympia-Münzen, Olympia-Lotterie, Olympia-Kunstedition und Olympia-Briefmarken sollen weitere Millionen am Wettkampf der Amateure verdient werden.

Mit dem Ergebnis des Lizenzgeschäftes ist man bisher noch nicht zufrieden. Justitiar Josef Eder vom Organisationskomitee bedauert, daß es bisher "nicht gerade die größten und umsatzstärksten Firmen" sind, die man unter Kontrakt hat. Es schweben jedoch "konkrete Verhandlungen mit mehreren großen Unternehmen", vor allem der Elektro- und Hausgerätebranche.

Sehr interessiert ist die Lizenzabteilung an den Fernseherproduzenten. Das Komitee peilt hier ein. Gegengeschäft an. Während der Olympiade werden für das Pressezentrum 8000 bis 9000 Fernsehgeräte benötigt. Es wäre schon, wenn man sie nicht kaufen müßte, sondern leihweise von den Produzenten bekommen könnte – gegen Erlaß einer an sich fälligen Lizenzgebühr. Hier treffen sich kommerzielle Olympia-Auswertung und olympisches "Schnorrertum".

Grundsätzlich sollen Spenderfirmen bei einem Lizenzabschluß nicht bevorzugt werden. Allerdings gibt es Ausnahmen: Die Siemens AG etwa kann die Olympia-Symbole gebührenfrei verwenden; das ist Bestandteil des Vertrages über den Datenverarbeitungsservice während der Spiele mit einem Auftragsvolumen von 18,5 Millionen Mark – wobei man voraussetzen kann, daß dabei das Prestige allem Profitdenken übergeordnet wurde.