Die dynamische Wirtschaftsentwicklung in den Pazifikanrainerstaaten der USA von Kalifornien bis Alaska findet auf noch dynamischerem Erdboden statt. Die gesamte Westküste Nordamerikas, so erkannten Geophysiker in den letzten Jahren, liegt teilweise über, teilweise neben einer Erdkrustenbruchstelle.

Zwar bemerken die Westküstenanrainer nichts von der eigentlichen Bewegung unter ihren Füßen: Jahr für Jahr schiebt sich der nordamerikanische Kontinent um fünf Zentimeter über den Pazifikboden – wenig für menschliche Begriffe, sehr viel jedoch für geologische Prozesse. Die ruckartigen Entspannungen der Erdkruste aber sind gefürchtet. Sie sorgen für eine ununterbrochene Serie leichter und schwerer Erdbeben.

Bei diesem Unruheherd unterm Musterland wollen amerikanische Wissenschaftler nicht länger auf Vermutungen und unvollständige Messungen angewiesen sein. Sie entsenden deshalb in diesem Monat ihr bestes Forchungsinstrument vor die Westküste. Bis zum 21. Juli wird das Bohrschiff "Glomar Challenger" an elf Stellen die dynamische Erdkruste vor der nordamerikanischen Pazifikküste anbohren.

In diesem 18. Forschungsabschnitt der "Glomar-Challenger"-Weltreise interessieren sich die Geophysiker besonders für eine einmalige Erdkrustenkonstellation. Frühere Arbeiten ergaben, daß der mittelozeanische Rücken im nordöstlichen Pazifik – dort quillt beständig neuer Meeresboden aus dem Erdmantel empor – vom westwärts driftenden Nordamerika überrollt wird: So schüttete der Columbia River im Lauf von Jahrmillionen die Erdkrustenbruchzone mit einer dicken Geröllschicht zu.

Mit den Bohrkernen aus dieser unruhigen Zone hoffen die Forscher einen Teil jener umfangreichen Informationen zu erhalten, die zur sicheren Erdbeben voraussage nötig sind. Vielleicht hilft die Arbeit der "Glomar-Challenger"-Mannschaft schon in absehbarer Zeit, das seit langem erwartete zweite San-Francisco-Erdbeben vorauszusagen. G. H.