Keine Feier ohne den Kaiser. Obwohl Haile Selassie, Herrscher von Äthiopien, eigentlich aus dem Alter heraus ist, um noch als Partylöwe zu fungieren – immerhin wird er bald achtzig Jahre alt –, wird der Löwe von Juda auf jeder besseren Festlichkeit in Addis Abeba gebraucht. Er mußte also auch inmitten seiner königlichen Mercedes-Flotte auf dem Flugplatz der äthiopischen Hauptstadt anrollen, als kürzlich die Fluglinie des Landes – "Ethiopian Airlines" – ihren 25. Geburtstag feierte. Es war ein recht gemütliches Fest. Der Kaiser schüttelte alten Mitarbeitern die Hand, ließ sich durch die Hallen führen, betrachtete gnädig die Garde herausgeputzter Stewardessen und trank ein Glas Champagner auf die nächsten 25 Jahre.

Wie es nun einmal in autokratisch regierten Ländern üblich ist, so hat auch in Äthiopien der Kaiser das erste und das letzte Wort. Vor 25 Jahren, so drückte es Mr. Makonnen, Vorsitzender der äthiopischen Fluggesellschaft aus, hatte seine Majestät die Vorstellung, "daß unser Land im internationalen Luftverkehr eine Rolle spielen muß". Des Kaisers Wunsch war Befehl. Die "Ethiopian Airlines" wurde gegründet, alte DC-3 waren ihre ersten Maschinen. Mit Hilfe der amerikanischen Fluggesellschaft TWA, die Piloten, technisches Personal und das Management stellte, wurde die Fluglinie aufgebaut. Heute können sich die Amerikaner immer mehr zurückziehen, die Äthiopier sind in der Lage, ihre Gesellschaft in eigener Regie zu führen. 90 Prozent ihrer Piloten sind Afrikaner, ebenso wie der größte Teil ihres Wartungspersonals. Sie warten selbst ihre großen Jets in Addis und leisten bereits anderen afrikanischen Staaten Entwicklungshilfe: Sie bilden Piloten in eigenen Schulen aus.

Die Äthiopier verweisen mit Stolz auf die Tatsache, daß sie im Laufe der 25 Jahre ihre Passagiere stets heil wieder zu Boden gebracht haben. Sie mußten keine Unfälle melden. Sie beschicken internationale Strecken, fliegen von Addis täglich per Jet nach Europa – Frankfurt, Paris, Rom und Athen sind ihre Ziele. Sie fliegen Asien an und natürlich viele Plätze in Afrika.

Über ihr Land selbst haben sie ein dichtes Netz gezogen. Alle touristisch interessanten Orte werden von ihnen beschickt, wie Lalibela, Gondar, oder Asmara. Die Verbindung zu der äthiopischen Touristenorganisation klappt – von gelegentlichen Verspätungen abgesehen – mit fast preußischer Präzision – kurz, es ist nicht übertrieben, wer Äthiopien schnell überschauen und möglichst viele der für einen Touristen sehenswerten Orte erreichen will, darf sich getrost in die Obhut des Löwen mit dem Speer begeben, der als Wappentier nicht nur dem Kaiser dient, sondern auch die äthiopische Fluglinie betreut.

Der Kaiser bestieg, nachdem er noch ein Stück Torte aus der Küche der äthiopischen Fluglinie probieren mußte, befriedigt wieder seinen Wagen. Die Krönung der Miss Ethiopian Airlines schenkte er sich. Miss Woizeret Mehret Berehe bekam die Krone aber immerhin von einem kaiserlichen Minister aufgesetzt. Hang v. Kuenheim